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Nienhagen Weihnachten in Celle: Der Trend geht zum Zweit-Baum
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Weihnachten in Celle: Der Trend geht zum Zweit-Baum
17:59 15.12.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Inna Lehmann und Tochter Finnja haben in Nienhagen gemeinsam mit Opa Gerd Steinke ihren Wunschbaum gefunden. Der Stumpf wird von Marek Kuma (unten links) passend gemacht. Quelle: Oliver Knoblich
Nienhagen

Neben Spekulatius, Stollen und Adventskranz darf vor allem eines so kurz vor den Festtagen in kaum einem Haushalt fehlen: der Weihnachtsbaum. Er ist einer der Kassenschlager und bildet mit Kugeln und Kerzen geschmückt das Herzstück eines Raumes. In Deutschland werden seit Jahren zwischen 25 und 29 Millionen Tannenbäume verkauft. Allein im Landkreis Celle werden zu den Festtagen etwa 56.000 Weihnachtsbäume in den Wohnzimmern stehen, so die Forst-Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt.

Während Super- und Weihnachtsmärkte unter anderem mit guter Qualität zum günstigen Preis werben, setzen Internetseiten auf Praktikabilität. Mit einem Klick ist der Baum bestellt und kann direkt vor die Haustür geliefert werden. Private Anbieter locken nicht nur mit dem selbst angebauten Baum vom Feld, sondern machen sich einen Trend zunutze: "Tannenbaum selbst schlagen".

"Das ist ein Happening für die ganze Familie", erzählt Hinrik Leinemann. Der Landwirt baut in der dritten Generation Tannenbäume an und hat mittlerweile neun Verkaufsstellen. Neben der Hauptstelle in Nienhagen zieht es viele Kunden derzeit auf das Feld am Ortsrand, wo sie den Baum selbst sägen können. "Das ist eine ganz runde Sache. Es werden Glühwein und Bratwürstchen am Lagerfeuer angeboten", sagt Leinemann. Hinzu kommen Anfragen von Firmen, die mit Mitarbeitern und Kunden einen Baum schlagen und im Anschluss auf dem Hofgelände feiern.

Der beliebteste Weihnachtsbaum ist mit großem Vorsprung die Nordmann-Tanne. "Die ist nicht so pieksig und nadelt im Gegensatz zu den Fichten kaum", zählt Leinemann die Vorzüge auf. Rund 80 Prozent der verkauften Tannen sind Nordmann-Tannen, dahinter kommen die günstigeren und schneller wachsenden Blaufichten. "Im Durchschnitt kaufen die meisten einen Baum zwischen 1,80 bis 2,20 Metern Höhe", weiß der 34-Jährige. Die Größe sei dabei in den vergangenen Jahren um die zehn Zentimeter zurückgegangen. Als Grund vermutet Leinemann neben praktischen Gründen auch die bei Neubauten niedrigere Deckenhöhe.

Einen Baum mit Öko-Siegel, zu dem die Forst-Gewerkschaft IG Bau rät, haben mehrere Celler Landwirte nicht im Sortiment. Allerdings sei die Nachfrage nach einem Baum frei von chemischen Dünger auch sehr gering. "Bei uns hat es bisher genau 0,0 Prozent Nachfrage gegeben", berichtet Leinemann. Der Landwirt vermutet, dass es an dem Image, das sich der familiäre Nienhäger Weihnachtsbaum-Betrieb in den vergangenen 50 Jahren erarbeitet hat, liegen könnte. "Die Leute vertrauen uns und wissen, dass es bei uns gute Bäume gibt", so Leinemann. Hinzu käme, dass niemand kurz vor Weihnachten Käfer oder Läuse aus seinem Baum fallen sehen möchte. "Wir sind auch selbst davon überzeugt, dass der konventionelle Weg der richtige ist."

Den größten Tannenbaum-Umsatz macht der Familienbetrieb erfahrungsgemäß an dem Wochenende direkt vor Weihnachten. "Immer weniger rennen erst zwei Tage vor Heiligabend los, um einen Baum zu kaufen. Zu groß ist die Angst, kaum noch Auswahl zu haben", sagt Leinemann. Das ist auch für den Betrieb aus organisatorischen und logistischen Gründen angenehmer. Neben immer mehr Paaren, die sich für die Festtage einen Baum holen, darf nach wie vor insbesondere in einem Haushalt mit Kindern der Weihnachtsbaum nicht fehlen. Für rund 90 Prozent aller Familien mit Kindern und Jugendlichen zählt er zum elementaren Bestandteil des Weihnachtsfestes, so eine Statistik des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger.

Neben dem Trend, Weihnachtsbäume selbst zu schlagen, zieht es auch immer mehr Deutsche zum Zweitbaum. Die Weihnachtstanne verschönert dann einen weiteren Raum, den Garten oder die Terrasse. Einige verschenken auch statt einem Weihnachtsstern einen kleinen Weihnachtsbaum. Leinemanns Betrieb reagiert auf den Trend und bietet nun auch vermehrt kleine Bäume, sogenannte "Tiny Trees", an. "Anstatt Blumen ist dann ein kleiner Tannenbaum das Mitbringsel für die Schwiegermutter. Der hält deutlich länger und sorgt für die richtige Weihnachtsstimmung."