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Wathlingen Anwohner in Wathlingen sehen Kaliberg-Begrünung skeptisch
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17:53 08.04.2016
So könnte der begrünte Berg bei Wathlingen im Jahr 2040 mal aussehen. Die Wathlinger aber sind skeptisch.  Quelle: Jahn, Gerold
Wathlingen

So fehlen den Anwohner die Alternativen. Die Wathlinger wollen wissen, ob der bestehende Kaliberg nicht zu einem großen Teil abgefräst und in das Bergwerk gebracht werden kann. Laut K+S ist das nicht möglich. Bisher will das Unternehmen, wenn überhaupt nur einen kleinen Teil im Norden und Westen des Berges abtragen, weil sonst Straßen verlegt werden müssten. Ein Besucher stellte auch die Frage, „warum das Salz nicht einfach wiederaufbereitet wird.“ Jens von den Eichen von Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) meinte aber, dass man darauf lange warten könnte, weil die Abnehmer fehlen.

Müll: Die Wathlinger sind skeptisch, weil das Unternehmen Abfall der Stufe Z2 als Füllmaterial verwenden wollen. Eine Besucherin befürchtet, dass „20 Jahre Staub von Z2-Abfällen bei der Anlieferung eine erhebliche Gefahr für uns darstellen.“ Ein anderer wies daraufhin, dass es aus seiner Sicht eine unsinnige Idee sei, zwischen den Salzberg und ein bestehendes FFH-Gebiet auch noch Müll zu kippen. Gerold Jahn von K+S erläuterte, dass unter die Füllschicht mit dem Abfall eine Sperrschicht aus Ton und eine Drainage kommt. Über dem Füllmaterial würde zudem eine drei Meter dicke Kulturschicht mit unbelastetem Boden kommen.

Radioaktive Belastungen: Ein Zuhörer wollte wissen, ob in den Schacht in Wathlingen künftig Wasser aus der Asse kommt. In dem Salzbergwerk bei Wolfenbüttel sind radioaktive Stoffe gelagert und es tritt Salzwasser ein, das bisher im Bergwerk Mariaglück eingelagert wurde. Jahn schloss das nicht aus und ergänzte, dass das Wasser von dort nur gering belastet sei. Mit einem klaren Nein beantwortete Jahn hingegen die Frage, ob auch geplant sei, Bauschutt aus abgerissenen Atomkraftwerken bei der Bergbegrünung zu verwenden.

Munitionsaltlast: Skeptisch sehen viele, dass die alte Munition bei einer Flutung des Bergwerkes dort verbleiben soll. Andere wiesen aber auf den Unfall von 1946 hin, als es zu einer Explosion bei der Bergung kam. „Wen will man heute da runter schicken“, fragte einer. Nachdenklich stimmte allerdings, dass ein Besucher auf ein altes Gutachten verwies, nachdem die Stoffe nicht mit Wasser in Berührung kommen sollen. Laut K+S sei diese Expertise aber in einem anderen Zusammenhang erstellt worden. Das aktuellste Gutachten gehe davon aus, dass die Stoffe dort bleiben können.

Finanzen: Macht K+S jetzt Gewinn mit der Begrünung des Kalibergs oder nicht? Die Frage brannte doch einigen unter den Nägeln. Es gibt auch die Frage, ob Rücklagen für den Abbau der Halde gebildet wurden. Eine Anwohnerin verwies auf einen Altvertrag, nachdem K+S für jede Tonne Kali Geld zurücklegen sollte.

Rückbauverpflichtung: Einige Fragen gab es auch zu den alten Betriebsplänen. „Was steht dort zum Thema Rückbau“, wollte ein Frager wissen. Das konnte K+S nicht beantworten. Angeblich sollen diese aber auch erloschen sein. Der Abschlussbetriebsplan sah offenbar ein Konzept zur Nachnutzung der Halde vor. Diese habe K+S auch 2008 eingereicht. Der Nachweis wurde aber noch nicht geführt.

Verkehr: Die Belastung von 200 Fahrbewegungen pro Tag ist den Anwohnern zu hoch. Sie fordern alternative Routen über die alte Bahnstrecke beziehungsweise eine neue Straße, die den Röhndamm verlängert und dann auf die L311 führt. Wie Verkehrsplaner Lothar Zachachrias aber erläuterte, ist das nicht so einfach. Die Feldwege dort müssten deutlich verbreitert werden, ob die Bahnstrecke nutzbar sei, müsste geprüft werden. Zudem meldete sich eine Landwirtin, die sagte, dass eine solche Straße die Existenz ihres Hofes bedrohen würde.

Unabhängigkeit der Behörden: Angesichts der Aussagen vom LBEG-Vertreter warf ein Besucher der Behörde, die das Planfeststellungverfahren durchführen wird, vor, zu eng mit K+S verflochten zu sein. Dieser Vorwurf schwang auch durch einige Äußerungen des Abends. Der Moderator des Abends, Jürgen Kipp, appellierte an die Besucher, „Vertrauen in die Verfahren zu behalten“. Das deutsche System sei sicher nicht perfekt, aber er kenne kein besseres, sagte der Richter im Ruhestand, der Ombudsmann der Schlichtungsstelle Energie ist.

Tore Harmening

Von Tore Harmening