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Wathlingen Auf Konfrontationskurs
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen Auf Konfrontationskurs
17:04 07.01.2019
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Wathlingen

Bissige und bestens vorbereitete Vertreter der Bürgerinitiativen Umwelt Wathlingen und Uetze haben den ersten Tag des Erörterungstermins in der Congress Union in Celle zur geplanten Abdeckung des Wathlinger Kalibergs dominiert. Vor allem der Wathlinger BI-Sprecher Holger Müller und sein Uetzer Kollege Georg Beu machten in zahlreichen Wortmeldungen ihre kritischen Standpunkte deutlich.

Bürgerinitiativen fordern "Waffengleichheit"

Der Ton der scharfen Auseinandersetzung wurde gleich zu Beginn gesetzt. Mehr als eine halbe Stunde wurde erbittert über die Tagesordnung gestritten. Verhandlungsleiter Andreas Schleicher vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hatte geplant, dass K+S-Projektleiter Gerold Jahn einen kurzen Vortrag zur Vorstellung der Abdeckung hält. Doch die Bürgerinitiativen forderten "Waffengleichheit". Ob er denn auch über das Vorhaben aus seiner Sicht referieren könne, wollte Beu wissen. Da das nicht geplant war, musste Jahn schließlich auf seinen Vortrag verzichten.

Geologe greift K+S-Konzern an

Auch ein anderes Beispiel macht deutlich, wie erbittert um das Mammutprojekt gerungen wird. Der Burgdorfer Geologe Ralf Krupp, der die beiden Bürgerinitativen berät, wirft K+S vor, ihm falsche Aussagen untergeschoben zu haben. Vergangene Woche machte ein offener Brief von ihm an die Spitze des Bergbaukonzerns die Runde, es geht um eine Sitzung des Umweltausschusses des Celler Kreistages im Jahr 2014. Ihm seien die Unterlagen jetzt erst bekannt geworden, sagt Krupp. Laut Protokoll habe Klaus Rumphorst, Leiter der K+S AG Inaktive Werke, damals im Ausschuss gesagt, man habe zur Frage der Salzgewinnung aus der Halde „bereits Herrn Krupp, einen Entwickler von Verfahren zur Haldensalzrückgewinnung, konsultiert und um seine Einschätzung gebeten". Weiter heiße es: "Herr Krupp sehe keine wirtschaftliche Möglichkeit, das Haldenmaterial zu verwerten.“ Die Äußerungen seien völlig aus der Luft gegriffen, sagte Krupp am Montag. "Das ist nicht meine Ansicht und ein bemerkenswerter Vorgang, dass eine Behörde falsch informiert wird. Ich bin nie von K+S konsultiert worden."

"Herzstück des Planfeststellungsverfahrens"

Moderator Schleicher bezeichnete die Erörterung als "Herzstück des Planfeststellungsverfahrens, weil alle an einem Tisch sitzen". Während der Veranstaltung sollen zunächst die 32 Stellungnahmen von Behörden, Kommunen, Naturschutzverbänden und Bürgerinitiativen besprochen werden. Schnell wurde deutlich, dass wohl mindestens am Dienstag, möglicherweise auch am Mittwoch weiter getagt werden muss. In einem zweiten Schritt sollen am Donnerstag die 500 Einwände von Bürgern besprochen werden. Mit dem Abschluss des Erörterungstermins endet die Anhörung. Anschließend beginnt die Prüf- und Genehmigungsphase. Das LBEG wird schließlich entscheiden, ob der Kaliberg abgedeckt wird. "Wir prüfen ergebnisoffen", sagte Schleicher.

Alternativen zur Haldenabdeckung

In der Congress Union sollen zahlreiche Fragen rund um die Themenkomplexe Abfalldeponie, Abdeck-Konzept, Umweltauswirkungen und Verkehrsbelastung diskutiert werden. Spannung verspricht insbesondere der Punkt "Alternativen zur Haldenabdeckung". So fordern die Bürgerinitiativen seit langem die Unterbringung unter Tage. Krupp, der Geologe, brachte den Standpunkt auf den Punkt: "Zerkleinern und runterspülen" wäre die richtige Lösung, sagte er. "Dann hätte man das Bergwerk stabilisiert. Man hätte keine Transportwege. Es spricht alles dafür, das so zu machen. Die Abdeckung ist eine Fehlplanung." Der Vorwurf, der mitschwingt: K+S wolle mit der Begrünung Geld verdienen. Denn um den Berg abzudecken, soll Bauschutt im großen Stil angeliefert werden – 600.000 Tonnen im Jahr. Wer seinen Bauschutt am Berg loswerden will, muss Geld bezahlen. Und die Wathlinger bekämen nach dieser Lesart keinen grünen Berg, sondern eine Mülldeponie.

Bürgermeister ist skeptisch

Das Anlieferungsmaterial war zu Beginn der Erörterung ein zentrales Thema. Dabei geht es auch um das sogenannte Z2-Material, also teilweise giftiger Bauschutt. Zudem wurde die Transparenz des gesamten Verfahrens seitens der Bürgerinitiativen infrage gestellt. "Wir versuchen seit Herbst 2016 umweltrelevante Informationen zur Vorbereitung dieses Verfahrens zu bekommen", sagte Beu, "diese Unterlagen haben wir bis heute weitgehend nicht erhalten. Man kann den Eindruck gewinnen, dass es nicht gewollt ist, dass der Umweltschaden als Schaden erkannt wird."

Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms sagte der CZ, das Projekt könne nicht gegen den Willen der Region verwirklicht werden, ohne alle Aspekte zu beleuchten: "Bei den Bedenken, die heute vorgetragen wurden, rückt die Begrünung in weite Ferne."

Erörterungstermin in der Celler Congress Union: Ab Montag werden in Sachen Kalihalde die Stellungnahmen von Bürgern und Behörden diskutiert.

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