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Wathlingen Für Radwege: SoVD übergibt in Wathlingen Unterschriften
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen Für Radwege: SoVD übergibt in Wathlingen Unterschriften
18:06 06.02.2014
Von Simon Ziegler
„Wenn ein Kind angefahren wird, dann ist es zu spät“: Gisela Dietterle übergibt Wolfgang Grube Protest-Unterschriften Wathlinger Senioren.  Quelle: Alex Sorokin
Wathlingen

Die Fahrradwelt könnte einfach sein: Gibt es einen Radweg, müssen Fahrradfahrer ihn nutzen. Gibt es ihn nicht, fahren sie auf der Straße. Punkt.

Doch so einfach ist das Regelwerk nicht. Landkreis Celle und Polizei setzen derzeit gesetzliche Vorgaben um. In einer Gemeinde nach der anderen finden Verkehrsschauen statt. Diese haben das Ziel, blaue Radwegschilder zu entfernen. Fahrradfahrer sollen mehr auf den Straßen und weniger auf Radwegen fahren. Studien hätten ergeben, dass es dann weniger und weniger schwere Unfälle gibt. „Zwei Verkehrsteilnehmer, die sich sehen, können aufeinander Rücksicht nehmen“, sagte Karl-Heinz Kroll, Verkehrsexperte bei der Celler Polizei, am Mittwoch in Wathlingen.

Der SoVD hatte seine Senioren in den 4G-Park eingeladen, um Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube 253 Unterschriften zu übergeben, die dieser an Landrat Klaus Wiswe weiterleiten will. Die Senioren fordern die Beschilderung der Radwege zurück. Kroll und Bernd Janz, Leiter des Straßenverkehrsamtes beim Landkreis Celle, mühten sich, den SoVD-Leuten die neue Sachlage zu erläutern. Denn Radfahrer sind häufig in Unfälle verwickelt. Im Jahr 2013 wurden im Kreis Celle bei Unfällen 726 Menschen leicht verletzt, darunter waren 192 Radfahrer. Zwei Radfahrer starben.

Die neuen Regeln bedeuten: Wenn an einem Radweg noch ein blaues Schild steht, dann müssen Radfahrer den Radweg nutzen. Wenn das Schild abmontiert wird, gilt die Benutzungspflicht nicht mehr. Radfahrer können sich dann aussuchen, ob sie auf der Straße fahren oder den Radweg nutzen – es sei denn, der einst gemeinsame Fuß- und Radweg wird im Zuge der Reform zum reinen Fußweg. Das kann man daran erkennen, dass es keine farbliche Trennung gibt.

Für viele Menschen wirken die Regeln ziemlich unübersichtlich, wie am Mittwoch deutlich wurde. Beispielsweise verstehen sie nicht, wieso Radfahrer in der Wathlinger Kantallee in Richtung 4G-Park auf der Straße fahren müssen, obwohl dort Schulbusse verkehren. Dort fahren zu wenige Autos, um eine Benutzungspflicht des Radweges anzuordnen, erklärte Janz. „Wenn ein Kind angefahren wird, dann ist es zu spät“, schimpfte Gisela Dietterle, Initiatorin der Unterschriftenaktion. Doch die meisten Unfälle sollen dort passieren, wo Autofahrer Radfahrer nicht sehen, erwiderte Kroll.

Das Land Niedersachsen hat eigens einen Flyer aufgelegt, um die Regeln zu erklären. Ob das ausreicht, darf bezweifelt werden. „Mir ist nur klar, dass wir Senioren schön aufpassen müssen“, sagte Dietterle nach der Veranstaltung. Regeln hin oder her, sie rate den älteren Leuten, weiter auf den Fußwegen zu fahren. Ähnlich äußerte sich Bärbel Deseke, die jeden morgen in Papenhorst mit dem Fahrrad die CZ ausfährt. Auf der Papenhorster Straße müsste sie – allerdings schon länger – auf der bebauten Seite die Straße nutzen. Oder zu Fuß gehen. Macht sie aber nicht. „Ich fahre weiter auf dem Fußweg“, sagte sie resolut.