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Wathlingen K+S will Anfang Januar Antrag zu Wathlinger Kaliberg stellen
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen K+S will Anfang Januar Antrag zu Wathlinger Kaliberg stellen
20:02 14.12.2016
Wathlingen

So oder so ist mit großem Widerstand insbesondere von der Bürgerinitiative (BI) Umwelt Wathlingen zu rechnen, denn zwischen Aue und Fuhse, 150 Meter von dem FFH-Naturschutzgebiet „Brand“ und dem Siedlungsbereich „Kolonie“ überragt der Kaliberg nicht nur landschaftlich – sondern auch politisch und emotional. „Die sogenannte Begrünung klingt ja erst einmal ganz gut“, sagt Mar-Heinz Marheine, Vorsitzender der BI, „aber in Wirklichkeit ist es eine Deponie.“

Die Verunreinigung des Grundwassers durch Deponiesickerwässer, Staub- und Schwerlastverkehr, das Aufbringen von belasteten Stoffen wie ölverunreinigte Erde und Schlacke aus Industrie- und Hausmüllverbrennung – aus der Sichtweise der Bürgerinitiative gibt es viele Gründe, sich gegen eine Abdeckung auszusprechen. „Bis zu 14 Millionen Tonnen Deponiematerial sollen zur Abdeckung aufgetragen werden“, sagt Holger Müller, Sprecher der Initiative. Doch eine wirkliche Abdichtung sei dadurch nicht gegeben. „Sie wird die Auflösung der Halde durch Niederschlagswasser nicht stoppen“, sagt der Sprecher. Die Versalzung des Grundwassers sei ein großes Problem, das nicht durch die bloße Abdeckung zu lösen sei.

Eine weitere Sorge kommt hinzu: der sogenannte „freigemessene“ Bauschutt. „Im Zuge der Energiewende werden die Atomkraftwerke abgerissen“, so Müller. Nun gehe es darum, ob dieser belastete Bauschutt auch als mögliches Material zur Abdeckung genutzt werden kann. Nur ein geringer Teil des Schutts aus dem AKW-Abrissen werde als Atommüll behandelt und entsprechend gelagert. Das übrige Material werde zerkleinert und bearbeitet – bis bei Stichproben Grenzwerte unterschritten werden. Diese Materialien gingen wieder in den Wirtschaftskreislauf. „Zum Teil in die freie Verwertung und Recycling wie in Haushaltsprodukte oder in den Straßenbau“, erklärt Müller.

„Freigemessen heißt, dass niedrig strahlendes Material nach der Strahlenschutzverordnung nicht wie Atommüll behandelt werden muss“, sagt Marheine. Die BI gehe nach einer Anfrage an das niedersächsische Umweltministerium und eigenen Nachforschungen davon aus, dass eben solcher Bauschutt auch auf der Halde in Wathlingen abgelagert werden dürfe. Laut der Strahlenschutzverordnung darf eine Behörde das Abrissmaterial aus Atomkraftwerken freigeben, wenn für „Einzelpersonen der Bevölkerung eine effektive Dosis im Bereich von zehn Mikrosievert im Kalenderjahr auftreten kann“. Das Messverfahren und die Festsetzung des Grenzwertes sieht die Initiative als höchst fragwürdig an. „Durch das Einatmen oder die Nahrungsaufnahme besteht eine dauerhafte Gefährdung der Gesundheit“, so der Sprecher. Daher will die Bürgerinitiative das Thema in das Antragsverfahren einbringen.

Von Katharina Baumgartner und Christopher Menge