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Wathlingen Kaliberg-Begrünung in Wathlingen: Gar nicht so schlimm
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16:44 06.07.2017
Von Simon Ziegler
Ernst Günther Beck vor dem Wathlinger Kaliberg: "80 Prozent der Leute wollen, dass es so bleibt". Quelle: Oliver Knoblich
Wathlingen

Also fuhr der 69-Jährige nach Sehnde. Zweimal sogar, einmal mit einem Nachbarn, einmal mit seiner Familie. Er wollte sich dort den begrünten Kaliberg anschauen. Und nicht nur das. Er sprach auch mit den direkten Anwohnern. Themen gibt es ja genug. Lärm und Staub zum Beispiel. Oder die Belastung durch zusätzlichen Lkw-Verkehr.

In Sehnde wurde die Schachtanlage Friedrichshall im Jahr 1982 stillgelegt. 1997 begann K+S mit der Abdeckung der Halde. Es ist der erste Versuch, einen Kaliberg in dieser Größenordnung zu bepflanzen. Die Halde hat mit einer Höhe von 76 Metern und einer Fläche von 28 Hektar in etwa die Ausmaße des Kalibergs von Wathlingen. Was Wathlingen noch vor sich hat, ist in Sehnde bereits Realität: die Begrünung des Salzbergs. 2014 schaute sich eine Delegation aus Verwaltungsvertretern, Politikern und Bürgern aus Wathlingen den dortigen Berg aus der Nähe an.

Doch Ernst Günther Beck wollte mehr, er wollte direkt mit den Bürgern sprechen. Also klingelte er an ein paar Haustüren.

Das Ergebnis mag manchen überraschen, wurden doch in Wathlingen in Sachen Kaliberg-Begrünung in den vergangenen Monaten viele kritische Töne laut. Es gab in Sehnde jedoch kaum Kritik, berichtet Beck. Insgesamt halte sich die Belastung in Grenzen, sagten die Anwohner. Durch die Arbeiten und das Verbauen von Baustoffen und Erde gibt es Staub rund um den Berg, das ist nicht wegzudiskutieren. Doch die Belastung sei akzeptabel, so der Tenor der Anwohner. Gleiches gilt für den Lärm, der etwa von den Baufahrzeugen auf dem Berg ausgeht. Was als besonders störend empfunden wurde, sei das Piepen der Raupe, wenn sie rückwärts fährt.

Der Lkw-Verkehr sei anfangs ein großes Problem gewesen, hieß es. Seitdem nach Bürger-Protesten eine Umgehungsstraße gebaut wurde, fahren die Laster aber nicht mehr durch Wohngebiete, um ihren Bauschutt anzuliefern.

Einige Anwohner freuen sich sogar, dass sie jetzt direkt an einem grünen Berg wohnen. "Ein Anwohner hat berichtet, dass er von seinem Garten aus mit einem Fernrohr jeden Abend Rehe und Hasen auf dem Berg beobachtet", berichtet Beck. Der Sehnder Bürgermeister hatte beim Besuch der Wathlinger Delegation 2014 erzählt, dass viele Bürger anfangs sehr skeptisch waren. Inzwischen seien viele begeistert von der Begrünung.

Auch das gut besuchte Bergfest in Sehnde spricht in Becks Augen dafür, dass die Bürger hinter der Begrünung des alten Salzbergs stehen. Dort findet auf dem Berg alle drei Jahre ein Fest für die Öffentlichkeit statt. "Es war brechend voll. Wenn die Leute verbittert wären, würde ja niemand auf das Bergfest gehen", schlussfolgert Ernst Günter Beck, der vor vielen Jahren bei K+S in Wathlingen Starkstromelektriker gelernt hat. In Wathlingen ist er von seiner langjährigen Vorstandsarbeit beim VfL bekannt.

Er schätzt, dass 80 Prozent der Bürger in der Wathlinger Kolonie es am liebsten sehen würden, wenn "der Berg bleibt, wie er ist". Da das wegen der Versalzung von Boden und Grundwasser nicht geht, solle die Begrünung mit so wenig Einschränkungen wie möglich vonstatten gehen, wünschten sich die meisten Bürger.