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Wathlingen Kritische Fragen zur Begrünung des Kalibergs in Wathlingen
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11:16 07.04.2016
Wathlingen

Gerold Jahn, Projektleiter von K+S, wird sicher schon schönere Abende als den am Donnerstag verlebt haben. Im 4G-Park in Wathlingen stellt er ab 18 Uhr die Planung für die Begrünung des Kalibergs vor (siehe Artikel unten). Anhand der Reaktionen der Politik im Umweltausschuss des Kreises und Anwohnern, die im Zuschauerraum saßen, wird es wohl einige kritische Nachfragen geben.

Im Umweltausschuss war es vor allem Gerald Sommer (Grüne), der sich nur mäßig begeistert von den Plänen zeigte. „Sie haben das jetzt alles vorgestellt, aber es fehlen die Alternativen“, sagt Sommer. So könne deutlich mehr von dem Berg abgefräst werden, um ihn kleiner zu machen. Durch die Aufschüttung am Berg würde man nahe an das benachbarte Naturschutzgebiet kommen.

Besonders kritisch sieht er auch, dass das Unternehmen die verbliebenen Munitionsvorräte der Munitionsanstalt bei einer Flutung unter Tage belassen will. Angesichts der Anklage von 14 Mitarbeitern von K+S in Thüringen wegen Gewässerverunreinigung äußerte Sommer zudem die Sorge, dass „K+S nicht der verlässliche Partner ist und hier der Bock zum Gärtner gemacht wird“.

Für diese Aussage zog er sich die Ermahnung der Ausschussvorsitzenden Irene Rathe (CDU) zu, doch nicht „irgendwelche Verdächtigungen zu äußern, sondern sich zunächst mit den vorgetragenen Informationen zu beschäftigen.“

Doch auch die SPD hatte Bedenken, vor allem mit Blick auf belasteten Abfall, der als Füllmaterial verwendet werden soll (siehe Kasten). „Aus meiner Sicht muss eine Sperrschicht über dem Material eingebaut werden und es wäre schön, wenn sie uns dafür heute hier die Zusage geben könnten“, sagte Manuela von Butler (SPD).

Der Projektleiter von K+S gab dafür aber keine Zusage, sondern verwies auf die Rechtslage, die eine solche Sperrschicht nicht vorschreibe. In Bezug auf die im Schacht gelagerte Munition verwies der Leiter inaktive Werke bei K+S, Klaus Rumphorst, auf Expertenmeinungen, nach denen der Verbleib dort auch bei einer Flutung unschädlich sei. Unter anderem, so hatte Rumphorst bereits früher einmal erklärt, gebe es ein Gutachten des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Schutztechnologien und ABC-Schutz in Munster.

Demnach handelt es sich beim Inhalt der eingelagerten Behälter um die Arsenverbindungen „Merodansäure“ und „Excelsior“ und um abgefüllte Munition (konventionell oder mit Kampfstoff). Nach einer Flutung würden die Rüstungsaltlasten in 600 bis 700 Metern Tiefe in Salzsole liegen. Die Mauern um den Munabereich würden nicht verhindern, dass Wasser eindringt. „Mit einer chemischen Reaktion der Stoffe mit der Sole unter Wärmeentwicklung ist nicht zu rechnen“, so das Gutachten. Die Löslichkeit der Sprengstoffe in Wasser sei sehr gering. Die Arsenkampfstoffe wiesen nur eine geringe Löslichkeit in Wasser auf. Dass sich das Arsen verteilt, sei in Anbetracht des hohen Salzgehalts „äußerst unwahrscheinlich“ oder würde unter den zulässigen Grenzwerten liegen.

Jahn wies zudem darauf hin, dass die Anklage wegen der Gewässerverunreinigungen in Thüringen nichts mit Wathlingen zu tun habe. Außerdem gehe das Unternehmen davon aus, dass dort alles korrekt gelaufen sei.

Unterstützung gab es von der CDU. „Es gibt immer die Bedenkenträger, und deswegen ist Transparenz nötig“, sagte Ernst-Ingolf Angermann. Der Fortschritt im Projekt sei aber gut.

Von Tore Harmening