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Wathlingen Lange Haftstrafe nach Einbruchserie im Südkreis
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13:57 25.08.2017
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Wathlingen

"Der Angeklagte hat gestanden. Das bewahrte ihn vor einer noch härteren Strafe", sagte Richter Ulrich Subatzus. Der Beschuldigte und seine Verteidiger nahmen die anschließende Begründung mit blassem Gesichtsausdruck zur Kenntnis.

Zwischen September und Januar ereigneten sich unter anderem in Wathlingen, Bröckel und Eicklingen Einbrüche in Wohnhäuser. Der Langfinger fuhr in der Gegend herum, spionierte die Objekte aus, hebelte schlecht gesicherte Terrassentüren und kleine Fenster mittels Schraubenzieher im Nu auf, um anschließend mit Bargeld, Schmuck und technischen Gerätschaften unterzutauchen. Bei einem Coup verschwanden neben einer Fotoausrüstung im Wert von über 8000 Euro dreizehn hochwertige Armbanduhren.

Die Kammer nahm sich für die Befragung der Geschädigten viel Zeit. Die Opfer berichteten, dass sie tagsüber bei jedem noch so kleinen Geräusch Angst im eigenen Zuhause und nachts schlimme Albträume hätten. Besonders perfide war die Tat in Bröckel: Die Familie trug gerade einen Angehörigen zu Grabe, als der Verurteilte zwischen 11 und 14 Uhr eine Tür zum Keller aufhebelte und in die Wohnung eindrang. Er durchwühlte mehrere Räume darunter das Schlafzimmer und flüchtete mit rund 1000 Euro.

Während des Prozesses kam heraus, dass es im Leben des Täter an Harmonie mangelte: In Rostock zur DDR-Zeit geboren, zog der Vater mit den Kumpels herum, die Mutter zeigte an der Erziehung des Sohnes wenig Interesse. Trotzdem begann er nach erfolgreichem Schulabschluss eine Lehre als Lokschlosser bei der Reichsbahn. Später folgte Bundeswehr und eine Umschulung als Computertechniker. Eigentlich beste Voraussetzungen für ein geordnetes Leben. Die Spirale falsch verstandener Freundschaft und dunkler Gestalten im Hintergrund führten schnurstracks in Kriminalität. Viele Jahre saß der Mann im Gefängnis.

Nach der Entlassung gab der neue Job als Lkw-Fahrer den lang ersehnten Halt im Leben. Bis ein auf der Autobahn erlittener Arbeitsunfall, bei dem ein Kollege starb, alles aufgebaute zerstörte und den Beschuldigten in die "Zockerei" führte. – Das Gericht wertete das allerdings als Schutzbehauptung. "Gibt es überhaupt eine Spielsucht? Wir haben keine objektiven Anzeichen dafür, dass ist mit Skepsis zu betrachten", sagte Richter Subatzus. "Es ist nicht so, dass hier jemand sitzt, der zufällig auf die schiefe Bahn geraten ist. Da hat jemand Probleme, sich an Regeln zu halten."

Wer letztlich das Diebesgut in einer Verkaufsplattform im Internet verhökerte, blieb unklar. Rechtsanwalt Kurt-Peter Bulang kritisierte die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (bre)

Von Benjamin Reimers