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Wathlingen Schildbürgerstreich? Radwege in Wathlingen für Fahrradfahrer verboten
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen Schildbürgerstreich? Radwege in Wathlingen für Fahrradfahrer verboten
17:26 22.01.2014
Von Simon Ziegler
Sie wollen auf den Radwegen bleiben: Der SoVD sammelt Unterschriften, damit die Schilder wieder aufgestellt werden. In der Kantallee müssen die Radfahrer jetzt auf der Straße fahren.  Quelle: Alex Sorokin
Wathlingen

„Wir wollen unsere Fahrradwege wiederhaben“, ist eine Initiative des Wathlinger Sozialverbands (SoVD) überschrieben. 180 Unterschriften wurden in zwei Tagen gesammelt, berichtet Gisela Dietterle. Die Bürger fordern Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube und Landrat Klaus Wiswe auf, „die von der Gemeinde Wathlingen gebauten Fahrradwege wieder als solche zu widmen oder mindestens für den Fahrradverkehr freizugeben“. In den Straßen Kantallee, Uetzer Weg und Schulstraße hätten die Fahrradwege für zusätzliche Sicherheit gesorgt, so der SoVD, der kein Verständnis für das Vorgehen der Behörden hat.

Doch genau die Sicherheit ist der Knackpunkt. Stefan Hausknecht von der Samtgemeinde-Verwaltung sagt, dass im August 2013 eine Verkehrsschau mit Vertretern von Landkreis, Samtgemeinde, Polizei und Straßenmeisterei stattgefunden hat. Die Gruppe fuhr durch die Samtgemeinde und überlegte, welche Schilder man entfernen könnte, um die Sicherheit zu erhöhen. An den drei besagten Straßen wurden die blauen Schilder abmontiert. Radfahrer dürfen die Radwege nicht mehr nutzen.

Denn nach Auswertung von Unfallstatistiken werde es heute als sicherer angesehen, wenn mehr Radfahrer auf der Straße fahren, sagt Hausknecht. Tückisch seien etwa Wege, die von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam genutzt werden. So würde es auch im Kreuzungsbereich weniger Unfälle geben, wenn die Radfahrer die Straße nutzen. Auch würden Zusammenstöße vermieden, wenn Autos aus Ausfahrten herausfahren, weil auch hier Fahrradfahrer auf der Straße besser gesehen werden. Auf diesen Zusammenhang verweist auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

In Wathlingen führte die Demontierung der Schilder zu der absurden Situation, dass eigens von der Gemeinde ausgebaute Fahrradwege im Uetzer Weg und in der Kantallee nicht mehr von Fahrradfahrern genutzt werden dürfen. Wer sich nicht an die neuen Regeln hält, riskiert eine Strafe, weil er sich ordnungswidrig verhält. In den betroffenen Straßen müssen Kinder ab dem 11. Lebensjahr auf der Straße fahren.

„Das alles ist nicht nachvollziehbar“, sagt Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms. Der Gemeinde sind aber die Hände gebunden. Straßenverkehrsbehörde ist die Samtgemeinde, die hat auf Anweisung des Landkreises gehandelt.

Den Senioren des SoVD in Wathlingen kommt das Ganze wie ein Schildbürgerstreich vor. Sie haben die Hoffnung, dass ihre Unterschriften dazu führen, dass die Schilder wieder aufgestellt werden. Auch für Nienhagen und Wathlingen wurde inzwischen angeordnet, Schilder zu demontieren.