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Wathlingen Syrische Familie will etwas zurückgeben
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19:04 19.09.2018
Kamal und Kiram Al Khalaf mit ihrem ehrenamtlichen Wathlinger  Betreuer Bernd Boltz. Quelle: Lothar H. Bluhm
Wathlingen

„In dem Boot war schon ganz viel Wasser“, erinnert sich der elfjährige Hamza Alaya an die Überfahrt von Izmir in der Türkei nach Griechenland. Dreimal sei da der Motor des Gummibootes ausgefallen und immer wieder wurde versucht, die Maschine zum Laufen zu bekommen. Auch sein Papa Kamal half da mit.

Es sei gut gewesen, dass die ganze Familie zusammen im Boot saß, findet Hamza heute. So wurden alle zusammen von der griechischen Küstenwache gerettet. Aus der eigentlich nur 90 Minuten dauernden Überfahrt von der Türkei nach Griechenland war ein über sechsstündiger Horrortrip geworden.

Hamza war sieben Jahre alt. Jetzt geht er in die Grundschule Wathlingen. Hamza spricht gut Deutsch. Er hat in den vergangenen drei Jahren sehr gut die Sprache gelernt, obwohl es schwer war, wie er sagt.

Das findet auch sein älterer Bruder Osama (14). Der möchte Pilot werden, geht jetzt in die achte Klasse und interessiert sich für Computer. Nicht so sehr als Nutzer, sondern er möchte wissen, wie die Rechner funktionieren. Im Wahlpflichtkurs seiner Schule macht er mit.

Im Moment drücken aber alle die Daumen, dass Vater Kamal (52) die praktische Prüfung zum Gabelstaplerfahrer beim TÜV Nord besteht. Die theoretische Prüfung war schon. „Bestanden“, sagt der Familienvater. Er möchte in einem Logistikunternehmen arbeiten. Zwar hatte er in Syrien alle Lizenzen zum Fahren, denn immerhin war er Chef eines kleinen Abschleppunternehmens. Hier in Deutschland braucht er spezielle Bescheinigungen und Zertifikate. „Die Gabelstapler sind hier auch ganz anders – viel moderner“, sieht er ein, dass er die Voraussetzungen erfüllen muss.

2013 wurde durch vier Bomben das Haus der fünfköpfigen Familie in Syrien zerstört. Für zweieinhalb Jahre haben alle zusammen in einem Zimmer in einem anderen Haus etwas außerhalb von Domar gewohnt. Mehrfach wurde Vater Kamal bei seiner Arbeit mit Waffengewalt bedroht.

Irgendwann reichte es, und die Familie flüchtete mit Hilfe von Schleppern in die Türkei. „Wir waren über 50 Menschen an Bord des Gummibootes“, berichtet Kamal von der Flucht über die Ägäis. Nur weil Ehefrau Kiram Al Khalaf (die Frauen behalten ihren Familiennamen auch nach der Heirat bei) ihr Handy mit an Bord geschmuggelt hatte, konnte sie über Facebook die Küstenwache um Rettung bitten.

Am 9. Juli 2015 meldeten sie sich in Hamburg, kamen nach Friedland und dann nach Wathlingen. „Das war schon eine große Chance. Wir fühlen uns gut aufgehoben in Wathlingen“, sagt Kiram Al Khalaf (37). Es klingt Erleichterung aus ihrer Stimme, wenn sie berichtet, dass sie in ihrer bisherigen Nachbarin Sabrina Schröder eine Freundin gefunden hat. Zum Umzug erhielt die Familie ein selbst gemaltes Bild mit dem syrischen Spruch „Gott sei dir gnädig“. Es hat jetzt einen Ehrenplatz im Wohnzimmer der neuen Wohnung der Familie.

Sehr geholfen hat ihr auch Bernd Boltz aus Wathlingen. Der ehrenamtliche Betreuer hatte beruflich viel in Syrien, Libyen, Algerien und im Irak zu tun: „Ich helfe gern, wenn meine Hilfe gebraucht wird. Es soll dann aber zur Selbständigkeit führen“, sagt Boltz, dessen Tochter und Rowa Alaya Klassenkameradinnen sind.

Nein, Schwestern seien sie nicht, haben Kiram und Rowa (18) schon öfter ihren Mitschülern in ihren Klassen erklärt, die danach gefragt haben. Vielmehr sind sie Mutter und Tochter. Aber unter ihren Kopftüchern sehen sie sich sehr ähnlich – fast wie Geschwister.

Beide besuchen seit Schuljahresbeginn die Albrecht-Thaer-Schule in Altenhagen. Mutter Kiram geht in die Klasse BFS-1Pb und Tochter Rowa (18) besucht die Sprint-Klasse im Berufsvorbereitungsjahr.

„Ich bin die Älteste in der Schule“, sagt Kiram Al Khalaf. Sie hat nach einem Sprachkursus ein Jahr lang als sogenannter BufDi im Familienzentrum Kess Wathlingen gearbeitet. BufDi steht für Bundesfreiwilligendienst und bedeutet, dass sie zwölf Monate lang für ein Taschengeld tätig war. „Ich wollte durch den direkten Kontakt zu Menschen die deutsche Sprache lernen“, sagt Al Khalaf.

Jetzt macht sie die zweijährige Ausbildung zur Pflegeassistenz. „Ich will dann hier für Geld arbeiten, denn ich will Deutschland etwas zurückgeben. Und in der Pflege herrscht Notstand. Die Zukunft für meine Kinder liegt nicht in Syrien. Wir wissen nicht, was morgen ist“, sagt sie. Die Familie hat ein Aufenthaltsrecht bis Oktober. Da sie aber in der Ausbildung sind, ist eine Verlängerung vermutlich kein Problem.

Tochter Rowa möchte während ihrer Schulausbildung den Realschulabschluss machen und dann Arzthelferin in einer Zahnarztpraxis oder bei einem Frauenarzt werden. Die Zeiten der Hänseleien und des Mobbings in einer vorherigen Schule seien zum Glück vorbei. „Das war schon oft sehr hart …“

Von Lothar H. Bluhm

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