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Wathlingen Theater gegen rechtes Gedankengut
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen Theater gegen rechtes Gedankengut
11:01 21.02.2010
Theaterst¸ck "Hin&Weg.sehen" gegen rechte Gewalt. Ensemble: Kirsten Mohri (Juli, schwarzes T-Shirt), Beate Albrecht (Vera, rote Haare), Tobias Vorberg (Sem, M¸tze) Quelle: Stefan K¸bler
Wathlingen

Juli ist ein Neo-Nazi. Auf ihrem T-Shirt steht „Wir sind Deutschland“, in ihrem Zimmer prangt ein schwarz-weiß-rotes Banner mit der Aufschrift „Meine Ehre heißt Treue“ und von ihrem Computer aus koordiniert sie die Straßenschlachten ihrer „Kameraden“. Deutsch-Russe Sem ist ihr Ex-Freund. Bis sich beide politisch auseinanderlebten, waren sie füreinander bestimmt, doch „Zecke“ und „Nazibraut“ passen nicht zusammen. Sie sind die Hauptfiguren im Theaterstück „Hin&Weg.sehen“, das jetzt im Schulzentrum Wathlingen zu sehen war.

„Wathlingen ist keine braune Hochburg, doch über dieses Thema kann gar nicht genug gesprochen werden“, sagt Maren Schmidt von der Gemeinde, die mit dem Runden Tisch „Kinder- und Jugendarbeit Flotwedel“ die Veranstaltung mitorganisiert hat. „Rechtes Gedankengut ist seit vielen Jahren ein Thema an diesem Tisch und es ist wichtig, Jugendliche aufzuklären.“ Auch auf Empfehlung der Polizei habe man sich für dieses Stück entscheiden.

Die Aufführung kommt schnell zur Sache. In Julis Planungen ihres nächsten Gewaltzuges gegen Ausländer platzt zunächst Ex-Freund Sem, der sie zum Aufhören überreden will. Er und seine „Brüder“ sind schon häufiger mit den Nazis aneinander geraten, doch das Spiel droht langsam ernst zu werden. Hinzu kommt Julis demokratisch eingestellte Halbschwester Vera, die unangekündigt zu Besuch kommt.

Diese Gegensätze prallen nun aufeinander. Zudem empfinden Juli und Sem noch etwas füreinander. Sem hat ihr sogar ein Lied geschrieben, doch er kann sie von ihrem Plan nicht abbringen. Sie will die Welt verändern, Politiker absetzen und „Assis wie dich“ an die Wand stellen. Schließlich gerät Sem zwischen die Fronten. Blutüberströmt erreicht er Julis Wohnung. Es kommt zum Handgemenge, ein Schuss fällt, Ende.

In einem Nachgespräch klärten die drei Schauspieler die Schüler über die Hintergründe des Stücks auf und lösen auf, dass Sem sterben musste. Im Einklang mit der Präventionspolitik des Schulzentrums und seinem Bestreben „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ zu werden, bildete das Stück eine beeindruckende Abwechslung zum Unterricht.

Von Stefan Kübler