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Wathlingen Wathlingen: 20 Zeugen in Heim-Affäre befragt
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16:06 08.05.2014
Von Simon Ziegler
Wathlingen

20 Zeugen hat die Staatsanwaltschaft bislang vernommen, um herauszufinden, ob die Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter des Jugendheims am Bohlkamp zutreffen oder nicht. Wie Oberstaatsanwalt Lars Janßen sagte, seien unter den Befragten auch sieben ehemalige Bewohner gewesen. Die Befragungen hätten unter anderem in Delmenhorst und Braunschweig stattgefunden. Von dort waren Kinder in die Einrichtung nach Wathlingen geschickt worden.

Zudem werden die Ermittler jetzt dem Beschuldigten rechtliches Gehör gewähren. Dieser hat laut Janßen bislang keine Angaben zur Sache gemacht. Die Ermittler erwarten, dass er sich bis Ende des Monats äußern wird.

Im Laufe des Ermittlungsverfahrens seien auch die Räumlichkeiten in Wathlingen in Augenschein genommen worden. Zudem seien zahlreiche Unterlagen des Landesjugendamtes angefordert und ausgewertet worden, die Auskunft darüber geben sollen, ob die Anschuldigen untermauert werden können.

„Die Ermittlungen dauern an“, sagte Janßen. Der Verdacht, der Beschuldigte habe Kinder die Treppe heruntergestoßen, habe sich aber nicht erhärtet. „Niemand konnte bestätigen, dass es so einen Vorfall gegeben hat“, erklärte der Oberstaatsanwalt gegenüber der Celleschen Zeitung. Ob es zu einer Anklage kommt, ist demnach derzeit unklar.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener. Das Heim war Anfang März geschlossen worden, nachdem der Trägerverein mitgeteilt hatte, die Einrichtung nicht mehr betreiben zu wollen. Dem Verein zur Förderung sozialpädagogischer Arbeit drohte die Insolvenz, weil eine Behörde mehrere Kinder abgemeldet hatte. In dem Heim wurden Kinder mit Lernbehinderungen, Entwicklungsverzögerungen oder mit sozialen Problemen betreut.

Nach der Schließung des Heims waren in Wathlingen viele Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter öffentlich geworden. Auch frühere Mitarbeiter belasteten ihren Ex-Chef. Dieser soll Kinder nachts am Schlafen gehindert, Drohungen ausgesprochen oder Bewohner stundenlang auf ihre Zimmer geschickt haben. Auch ein Behördenleiter und eine Nachbarin hatten sich kritisch zu dem Heim geäußert. Der Mann war zudem von einer Mutter angezeigt worden, die ein Kind in der Einrichtung hatte.