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Wathlingen Wathlingen: Das Salz hat viele Spuren hinterlassen
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17:04 02.07.2014
Urgestein Helmut Sievert vor der Wathlinger Abraumhalde, von der aus man bei sehr klarem Wetter den Brocken sehen kann. Quelle: Lothar H. Bluhm (7)
Wathlingen

Eigentlich sei er „Zugereister aus dem Oderbruch“, kokettiert Helmut Sievert mit dem Begriff „Urgestein“: Als 13-Jähriger kam er 1945 nach Wathlingen, weil hier bereits zwei Onkel wohnten. Und nachdem er ein Jahr später als Laufjunge im Kaliwerk Niedersachsen-Riedel angefangen hatte, kam er nicht mehr weg. Insgesamt 46 Jahre arbeitete er im Bergwerk, zuletzt als Fabrikmeister.

Und noch immer lebt Sievert in Wathlingen. Und noch immer fühlt sich Sievert wohl. „Von der Abraumhalde kann man bei sehr gutem Wetter den Brocken sehen“, macht er auf die seltenen Augenblicke aufmerksam, die er erlebt hat. Rund 22 Millionen Tonnen umfasst das 83 Meter hohe Wahrzeichen Wathlingens. „Die Oberfläche beträgt etwa 28 Hektar.“ Von 1909 bis 1996 wurden hier Steinsalz und Kalisalz gefördert. Damals sind auch die Häuser mit den Wohnungen für die Bergleute in der Niedersachsenstraße und in der Riedelstraße entstanden. Noch heute bilden die Gebäude interessante Bauensembles.

Mitten im Ort erinnert seit 1990 eine große Seilscheibe an die Zeit des Kalibergbaus. Ein paar Straßen weiter steht eine Lore mit Gesteinsbrocken und an anderer Stelle macht eine Pferdekopfpumpe auf die Zeit der Erdölförderung aufmerksam.

Noch immer sind die Explosion des Hänigser Schachtes am 18. Juni 1946 mit 86 toten Bergleuten und der Unfall am 27. September 1978, bei dem Mitglieder einer Hildesheimer Besuchergruppe getötet wurden, Helmut Sievert in starker Erinnerung. Kein Wunder, dass er umfangreiches Material über das inzwischen abgetragene Bergwerk gesammelt hat.

Mit der Infrastruktur in Wathlingen sei er aber sehr zufrieden. Hier gäbe es Ärzte, Apotheken, Geschäfte, Gaststätten. Ein neuer Supermarkt wird gerade gebaut und die Oberschule lässt sich den Mittagstisch aus dem benachbarten Vier-Generationen-Park kommen.

Die Katholische Kirche St. Barbara erinnert schon durch ihren Namen der Schutzpatronin der Bergleute an die Tradition. Die St.-Marien-Kirche aus dem 14. Jahrhundert verfügt zwar mit dem Schnitzaltar, dem Kruzifix, den Holzepitaphen und dem barocken Orgelprospekt sowie den 1998 freigelegten Wandmalereien über kulturgeschichtliche Werte. Gerade die Schlichtheit der evangelischen Kirche ist es aber, die Helmut Sievert so mag.

Von Lothar H. Bluhm