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Wathlingen Wathlinger Grüne wollen Schritte gegen Bienensterben einleiten
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen Wathlinger Grüne wollen Schritte gegen Bienensterben einleiten
17:34 14.08.2017
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Wathlingen

Er schlägt vor, dass beispielsweise der Rasen auf öffentlichen Flächen in Nienhagen, Wathlingen und Adelheidsdorf weniger geschnitten werden soll, damit etwa Kräuter und Blumen besser wachsen können. Außerdem könnten Pflanzenstreifen für Insekten angelegt werden. Der Grünen-Fraktionschef regt an, dass sich der Umweltausschuss der Samtgemeinde mit dem Thema befasst. Im Zuge der Beratung sollen auch Imker gehört werden. Blazek betont die Wichtigkeit des Themas: „Bienen sieht man überhaupt nicht mehr.“

Der Samtgemeinde-Politiker führt aus, dass Bienen eine zentrale Rolle im Erhalt des Ökosystems spielen. Seit Jahren aber stirbt weltweit ein Großteil der Bienenpopulationen. Seit 2006 sei das Phänomen „Bienensterben“ in Europa und den USA bekannt. Wie es zu dem Sterben in manchen Gebieten der Erde kommt, sei bisher weitgehend unklar. Neben der Varroa-Milbe und anderen Parasiten seien es vor allem landwirtschaftliche Monokulturen und der Einsatz von Spritzmitteln, die den Bienen zu schaffen machen, führen die Grünen aus. Die Tiere seien so geschwächt, dass regelmäßig eine hohe Anzahl der Völker stirbt.

Das „Massensterben“ unter den Bienen gefährde auch die Existenz von Imkern, sagt Blazek. Zu Beginn des Frühlings seien die Imker seit Jahren weltweit dazu gezwungen, ein trauriges Ritual auf sich zu nehmen und eine Bestandsaufnahme ihrer Bienenvölker zu machen. Blazek: „Mittlerweile müssen sie sich darauf einstellen, innerhalb eines Winters fast ein Drittel ihrer Schützlinge zu verlieren.“ Auf Deutschland bezogen sei ein Verlust von rund 170.000 Bienenvölkern zu beklagen. Damit wäre fast jedes fünfte Bienenvolk betroffen.

Bienen produzieren nicht nur Honig, sondern sind auch wichtig für die Bestäubung von Obstbäumen und damit für die Verbreitung vieler Pflanzen. Es gibt zudem immer weniger Insekten. Die sogenannte Insektenbiomasse ging in den vergangenen 15 Jahren um bis zu 80 Prozent zurück. Naturschutzverbände und Imker machen die industrielle Landwirtschaft mit Pestizideinsätzen und Monokulturen dafür verantwortlich.

Auch für Landwirte sind Bienen wichtig. Kreislandwirt Jürgen Mente sagt: „Bienen sind für die Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Der Ertrag einer Rapsernte etwa steigt durch Bienenbestäubung um bis zu 30 Prozent.“ Die Vitalität der Bienenvölker nehme zu, wenn Blühstreifen in der Nähe sind. Insgesamt gebe es im Kreis Celle 400 Hektar Blühstreifen. „Wir müssen zusehen, dass wir die Blütenvielfalt über das Jahr verteilen. Dazu arbeiten wir eng mit dem Bieneninstitut zusammen“, sagt der Kreislandwirt.

Nach Angaben von Werner von der Ohe, Leiter des Bieneninstituts in Celle, müsse man zwischen Honig- und Wildbienen unterscheiden. Bei den Honigbienen sei kein Rückgang festzustellen. Im Kreis Celle halten 263 Imker 3761 Bienenvölker. Anders sehe es bei den Wildbienen aus. 60 Prozent der Arten seien gefährdet, so von der Ohe. Den Tieren würde durch die Versiegelung der Oberflächen der Lebensraum genommen.