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Wathlingen Wathlinger alleingelassen von den "gelben Engeln"
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15:17 06.10.2016
Jens Tangermann bemängelt Fehler in der Abwicklung seitens des ADAC. Quelle: Oliver Knoblich
Wathlingen

„Die ersten Pässe hatten wir passiert, als mein Motorrad in den französischen Seealpen liegenblieb“, erklärt Tangermann. Als langjähriges ADAC-Plus-Mitglied verständigte er den Automobil-Club. Es wurden zwei „gelbe Engel“ geschickt, die nach Aussage Tangermanns jedoch nicht in der Lage waren, eine Diagnose zu stellen, geschweige denn, das Motorrad zu reparieren. Schließlich wurde das Fahrzeug in eine Werkstatt transportiert.

Um seinen Urlaub fortsetzen zu können, schlug Tangermann dem ADAC vor, das Motorrad nach Deutschland zurückzutransportieren und sich ein Ersatz-Motorrad zu leihen. Seitens des Automobil-Clubs wurde diese Möglichkeit jedoch mit Hinweis auf das Vertragswerk abgelehnt. Ein Rücktransport sei erst möglich, wenn in einer im Radius von 50 Kilometern befindlichen Werkstatt die Fahrtüchtigkeit des Fahrzeuges innerhalb von drei Werktagen nicht hergestellt werden könne. Tangermann entschied sich, auf die Reparatur zu warten, verzichtete auf die Weiterreise und blieb in einem Hotel in einem kleinen französischem Bergdorf, während seine Freunde nach Italien weiterfuhren.

Zwei Tage nach seiner Panne wurde ihm im 120 Kilometer entfernten Nizza ein Leihwagen offeriert. Bei den Taxikosten in Höhe von 250 Euro bot der Automobil-Club eine Übernahme von 50 Euro an. Im Hinblick auf den Eigenanteil von 200 Euro verzichtete Tangermann auf dieses Angebot.

Zwischenzeitlich machte er sich via Internet auf die Suche nach einer geeigneten Fachwerkstatt. In Nizza wurde er fündig und teilte dies dem ADAC mit. Umso unverständlicher war für ihn die Absage des Automobil-Clubs mit der Begründung: „Zu weit entfernt.“

Am dritten Tag erreichte ihn ein Anruf des ADAC mit der Mitteilung, dass der Club keine geeignete Werkstatt im vorgegebenen Radius gefunden habe und das Motorrad deshalb nach Deutschland zurücktransportiert werde. „Das war für mich der absolute Gipfel der Frechheit. Diese Information hätte man mir auch schon am Tag der Panne geben können. Dann hätte ich mir eine Alternative gesucht, um meinen Urlaub fortzusetzen“, erklärt Tangermann. Mit dem Regionalzug fuhr er nach Nizza, um dann mit dem Leihwagen nach Deutschland zurückzufahren.

Doch zu Hause begann die bürokratische Abwicklung mit dem ADAC. „Am Ende musste ich feststellen, dass der Club im Gespräch mauerte und sich in Bezug auf die entstandenen Kosten inkulant zeigte“, so Tangermann.

Auf CZ-Nachfrage äußerte sich der ADAC nicht zu dem konkreten Fall. Die Zentrale verwies auf allgemeine Probleme in den Sommermonaten mit Werkstätten in Frankreich. Es gebe zudem Regionen, in denen die Betriebe die deutschen Qualitätsstandards nicht einhalten. Besonders in der Ferienzeit sei es problematisch, Termine zu bekommen und einfache Reparaturen könnten sich über Wochen hinziehen.

Weiterhin teilte der Club mit, dass Erstattungszusagen eingehalten würden. Die Hotel- und Taxikosten werden pauschal abgerechnet und Basiskosten werden übernommen. Verpflegungs-, Internet- und Benzinkosten gehören nicht zu den erstattungsfähigen Auslagen.

Die Konsequenz hat Tangermann bereits gezogen: Die komplette Familie ist aus dem Automobil-Club nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft ausgetreten.