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Wathlingen "Wir können nicht hinter uns die Tür zumachen"
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen "Wir können nicht hinter uns die Tür zumachen"
15:50 16.12.2011
Von Simon Ziegler
Podiumsdiskussion ¸ber Werteerhalt vl Harms,Schmidt-Seffers, Tenerowicz ,Leineweber, Marx und Makel, Quelle: Peter M¸ller
Wathlingen

Der Erhalt und die Vermittlung von Werten - das war das Thema einer von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber moderierten Podiumsdiskusion von Kommunalpolitikern und Kirchenvertretern, zu der die katholische Kirche im Rahmen der 50-Jahr-Feiern der Gotteshäuser von Wathlingen und Nienhagen eingeladen hatte. Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms (CDU) und sein Amtskollege aus Nienhagen, Jörg Makel (SPD), sprachen mit Dechant Andreas Tenerowicz, Kaplan Thomas Marx von der St.-Ludwiggemeinde und dem Nienhäger Pastor Uwe Schmidt-Seffers.

Was sind überhaupt Werte, stellte Makel vor rund 60 Zuhörern die Gretchenfrage. Aber genau die ist kaum zu beantworten. Marx zitierte Landesbischof Ralf Meister, der gesagt hatte, er sei nicht die Bundeswerteagentur. Schmidt-Seffers sprach die vielen Tugenden im Sprachgebrauch an: bürgerliche, ritterliche, preußische und sogar deutsche Tugenden. Und jeder versteht etwas anderes darunter. So blieb es bei Stichworten, die für Werte stehen könnten: Solidarität, Wohlwollen oder Mildtätigkeit.

Greifbarer wurde die Diskussion, als es um politische Umgangsformen ging. "Wir sollten uns nicht gegenseitig diffamieren. Das war in der Vergangenheit der Fall. Aber das ist jetzt vorbei", sagte Schmidt-Seffers in Anspielung auf Nienhagens früheren Bürgermeister Klaus Gärtner, mit dem sich der Pastor die ein oder andere Auseinandersetzung geliefert hatte. Er verstehe sich dennoch nicht als politischer Pastor, auch wenn er CDU-Mitglied sei, so Schmidt-Seffers. "Ich bin Christ und Zeitgenosse mit Interesse an der Welt."

Dass sich Kirche einmischen muss, fordert auch Pater Thomas Marx. "Kirche ist Teil der Gesellschaft. Wir können nicht hinter uns die Tür zumachen." Zum Geflügelschlachthof in Wietze oder zu Nazi-Veranstaltungen in Eschede müsse die Kirche Stellung beziehen. Doch Kirche hat immer mehr Probleme, in Teilen der Gesellschaft überhaupt noch Ansprechpartner zu sein. Wie vermittelt man also Werte, wenn die Mitgliederzahlen schrumpfen? "Wertevermittlung hat schon immer in der Familie begonnen, dahin müssen wir zurück", sagte Dechant Tenerowicz. Einen anderen Ansatz verfolgt Harms. Der Mittelpunkt sei bei vielen Leuten verloren gegangen. Schulen und Kirchen seien heute kaum noch gesellschaftliche Zentren. In diese Lücke könne der Vier-Generationenpark stoßen, hofft Harms.

Die Zukunft von Kirche und Gesellschaft wollten die fünf Diskutanten nicht zu negativ sehen. "Gott wird uns lenken, ihm vertraue ich mich an", sagte Marx. Bürgermeister Makel drückte die Rückbesinnung vieler Menschen auf Religion und Kirche ganz anders aus. Auch Johnny Cash habe kurz vor seinem Tod Lieder über den Glauben geschrieben.