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Wathlingen Zusteller unterschlägt Paket für Wathlinger Kunden
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12:47 18.02.2010
Von Andreas Ziesemer
Wathlingen

Im März 2008 sollte er in Wathlingen (Kreis Celle) bei einem Mann ein Paket mit Ersatzteilen im Wert von rund 350 Euro abliefern. Niemand war zu Hause, wie sich später herausstellte, wohnte der Empfänger dort schon gar nicht mehr. Der Angeklagte will das Paket bei einer Nachbarin abgegeben haben. In dem elektronischen Signaturgerät hatte auch jemand mit dem Namen der Frau den Empfang des Paketes quittiert, doch unterschrieben hatte nach den Feststellungen des Amtsgerichts nicht die Nachbarin, sondern der Angeklagte selbst.

Merkwürdig fanden der Vorsitzende Richter und der Oberstaatsanwalt schon die Angaben des 29-Jährigen zum Tatvorwurf, wichen diese doch deutlich zu seinen Angaben in erster Instanz ab. Absolut unglaubwürdig machte er sich dann jedoch mit der Behauptung, dass er von einem mittlerweile rechtskräftig gewordener Strafbefehl wegen vergleichbarer Taten bislang nichts gewusst habe. Erst am Tag der Berufungsverhandlung habe er davon erfahren, behauptete der 29-Jährige.

Doch dann verlas der Vorsitzende Richter einen Brief des Angeklagten, in dem er selbst um Ratenzahlung der verhängten Geldstrafe gebeten hat. „Das habe ich nicht geschrieben“, so der peinliche Erklärungsversuch. Wie seine Unterschrift unter den Brief gekommen ist, konnte er jedoch nicht erklären.

Der zunehmend verärgerte Oberstaatsanwalt nutzte eine kurze Verhandlungspause, um zu prüfen, ob schon Raten bezahlt worden sind, was den Angeklagten als Lügner endgültig überführt hätte. Das war zwar nicht der Fall, aber letztendlich genügten auch die deutlichen Worte des Juristen: „Sie belügen uns hier schon wieder. Der Strafbefehl zeigt, dass ihnen solche Taten nicht wesensfremd sind. Also nehmen sie endlich ihre Berufung zurück.“

Das tat der Angeklagte schließlich nach einer weiteren Unterbrechung. Nach Einschätzung des Oberstaatsanwaltes werden jetzt beide Geldstrafen, insgesamt belaufen sich diese auf 2250 Euro, zu einer Summe von rund 1800 Euro zusammengefasst. Der Verteidiger sprach eine Ratenzahlung an, der auf Grund des schlechten Verdienstes seines Mandanten (vier Euro Stundenlohn) zugestimmt werden dürfte. Ein entsprechender Antrag liegt bereits vor, auch wenn den angeblich jemand ganz anderes geschrieben hat.