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Südheide Ausstellung in Hermannsburg: Stimmungen der Natur eingefangen
Celler Land Südheide Ausstellung in Hermannsburg: Stimmungen der Natur eingefangen
17:29 17.12.2013
In seiner Ausstellung zeigt Werner Langhans Meeresstimmungen, wie hier - eine Ruine auf einem Hügel am Meer. Quelle: Susanne Harbott
Hermannsburg

Das ist dann doch ein wenig irritierend: Da feiert die Hermannsburger Kulturinitiative „Augenschmaus“ ihr 20-jähriges Bestehen mit einer Fotoausstellung von Werner Langhans, aber gleich am Nachmittag des Eröffnungstages ist die Ausstellung geschlossen. Der Kooperationspartner und Zur-Verfügung-Steller des Ausstellungsraumes, das Bistro „La Taverna“, hängte kurzerhand ein Schild an die Tür und ließ interessierte Menschen erst wieder am Abend in ihre Räume. Gut, dass der Schreiber dieser Zeilen bereits zwei Tage vorher die 20 Aufnahmen beim Fotografen selbst hat sehen können.

„Meer“, so hat Langhans seine Ausstellung genannt. Er hat sich bei seiner Auswahl ganz auf Fotos konzentriert, die Licht- und Wasserstimmungen einfangen. In ganz wenigen Aufnahmen tritt noch der Mensch als Fixpunkt in ein Spannungsverhältnis zur eingefangenen Naturstimmung. Der Fotograf hat Wellen, Wasseroberflächen und Lichtbrechungen zueinander in Beziehung gebracht. Außerdem erweist es sich, dass Langhans ein Auge für Linienführungen und räumliche Wirkungen hat. Einmal wählt er eine extreme Perspektive aus der Tiefe, ein anderes Mal aus der Höhe. Eine Ruine, die auf einem Hügel am Wasser steht, wirkt so wie mitten im Wasser stehend. Immer wieder fällt auf, dass Lichtwirkungen auf seinen Fotos das letzte i-Tüpfelchen setzen. Ja, da ist Fotografie als Lichtkunst ganz bei sich. Wobei allerdings die Frage ist, ob der Kunstbegriff hier überhaupt greift, oder ob hier nicht eher Kunsthandwerk gezeigt wird.

Im Gespräch mit Langhans wird sehr schnell klar, dass es ihm selbst nicht um das handwerklich perfekte Bild geht. Es geht ihm um die Bildkomposition. Insofern wird auch indirekt von Langhans ein Kunstanspruch erhoben.

Langhans arbeitet mit recht einfachen Mitteln. Teure Kameras nennt er nicht sein eigen. Es reicht ihm eine normale Kamera für gerade einmal 400 Euro. Natürlich ist diese digital, aber die vielen Möglichkeiten digitaler Bearbeitung nutzt er nur bedingt. Mit seinen eindrucksvollen Fotografien zeigt Langhans, dass modernste Technik keineswegs die Voraussetzung ist für gute Bilder. Das ist zwar nichts Neues, gerät aber zunehmend in Vergessenheit. Voraussetzung ist vielmehr, dass der Fotograf selbst das Auge fürs Motiv hat, und dass der Fotograf im Moment des Auslöserdrückens weiß oder zumindest ahnt, wie dieser gebannte Augenblick auf den Betrachter wirken könnte. Ob das Festgehaltene zum genaueren Hinschauen einlädt. Oder zum oberflächlichen Drüberschauen. Die Fotos von Langhans provozieren zum imaginären Dialog: Und so sind diese Fotos eben doch weniger Kunsthandwerk als Kunst. Und sehr sehenswert.

Von Reinald Hanke