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Südheide Axel H.: Urteilsspruch am Dienstag erwartet
Celler Land Südheide Axel H.: Urteilsspruch am Dienstag erwartet
17:23 03.02.2012
Axel H. im Gericht in L¸neburg Quelle: Tore Harmening
Hermannsburg

Seinen 38. Geburtstag wird Axel H. am Sonntag in Untersuchungshaft begehen. Es könnten noch einige Geburtstage in Haft dazukommen, zumindest dann, wenn ihn die Große Jugendkammer am Landgericht in Lüneburg zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Angeklagt ist er wegen Kindesentziehung und Einbruch in das Haus der Mutter in Hermannsburg. Für die Entziehung gibt es maximal fünf, für den Einbruchsdiebstahl theoretisch sogar zehn Jahre, wobei niemand ernsthaft mit diesem Strafmaß rechnet, zumal H. Ersttäter ist.

Wie ein Gerichtssprecher nach der vergangenen Verhandlung sagte, wird die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Thomas Wolter wohl ihr Urteil am Dienstag fällen, sollte nicht noch Unvorhergesehenes passieren. Interessant dürften zuvor noch die Ausführung des psychologischen Gutachters sein, der den Hermannsburger bewerten soll. Die Einschätzung ist schwierig, weil H. bisher die Zusammenarbeit mit dem Gutachter weitgehend verweigert hat. Axel H. hat auch sonst bisher noch nicht allzu viel dazu beigetragen, das Strafmaß abzusenken. Neben einem konfrontativen Kommunikationsstil gegenüber dem Gericht und fehlender Reue scheint es ihm auch einigermaßen egal zu sein, ob er in Haft kommt. „Dann sitze ich eben fünf Jahre“, war die Aussage von ihm am vergangenen Dienstag. Viele, die diesen Prozess verfolgen, erwarten, dass sich das auf die Bewertung des Gerichtes deutlich auswirkt, aber letztlich entscheiden wird es die Jugendkammer.

Egal ob Bewährung oder sechs Jahre Haft, irgendwann wird H. wieder auf freien Fuß kommen. Er will dann zunächst bei einem Freund in Barsinghausen unterkommen und sich „dort einen Job suchen, auch wenn das nicht so einfach wird“, wie H. dem Gericht am Dienstag erzählte. Wegen seines Glaubens könne er viele Arbeiten nicht machen. Zudem gebe es gesundheitliche Probleme, die auch durch medizinische Gutachten bestätigt seien.

Wenn er in Freiheit kommt, wird die Frage sein, ob er seine Kinder sehen kann. „Theoretisch besteht immer noch die Vereinbarung, nach der Herr H. ein unbegleitetes Umgangsrecht hat“, sagt der Leiter des Celler Amtsgerichts, Günter Busche. In der juristischen Wirklichkeit aber hat er nach der „Entziehung“ der Kinder, wie es im Juristendeutsch heißt, und der Reise nach Afrika keine Chance, ein solches Recht durchzusetzen. Zudem kann die Mutter derzeit wohl sehr einfach einen neuen Beschluss erwirken, der ihm zunächst den Umgang untersagt.

Wie lange das aber gilt, ist unklar, weil die Kinder auch ein Recht darauf haben, ihren Vater zu sehen. „Das Umgangsrecht ist ein sehr starkes. Selbst in Fällen, wo es einen Missbrauch zum Beispiel durch den Vater gegeben hat, soll der Kontakt ermöglicht werden“, sagt Andreas Reimchen, Leiter des Kreisjugendamtes. Allerdings wird es dann nur einen begleiteten Umgang für Axel H. geben – und das wohl auch für länger.

Von Tore Harmening