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Südheide Axel H. muss ins Gefängnis
Celler Land Südheide Axel H. muss ins Gefängnis
18:38 09.02.2012
Axel H. im Gericht in L¸neburg Quelle: Tore Harmening
Hermannsburg

LÜNEBURG. Mit einer deutlich milderen Strafe als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, ist Axel H. vor dem Landgericht in Lüneburg davon gekommen. Das Gericht verhängte eine Strafe von 18 Monaten. Diese wird aber nicht zur Bewährung ausgesetzt, was sonst üblich ist.

„Wir können das in Ihrem Fall nicht tun, weil Sie deutlich gemacht haben, dass Sie es wieder tun würden“, begründete der Vorsitzende Richter Thomas Wolter die fehlende Bewährung gegenüber H. Wolter versuchte in der Urteilsbegründung, dem Angeklagten ins Gewissen zu reden und gab ihm dazu unter anderem zwei Gedanken mit auf den Weg.

Zum einen den über H.'s Verhalten. Der Angeklagte habe viel von der Schuld Anderer erzählt, aber von seinem eigenen Anteil nichts. H. sollte das Geschehene vielleicht als Gleichnis auffassen, versuchte Wolter eine Sprache zu finden, die H. auch erreicht, denn „die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Der Angeklagte habe offenbar in sich selbst einen „strengen Richter“, der ihn nach und nach immer mehr eingeschränkt und unflexibler gemacht habe. H. gab nach Wolters Ausführung Dinge wie das Autofahren und seinen Beruf auf und begab sich so in ein inneres Gefängnis. Er sei in seiner Haltung so konsequent, dass er auch das äußere Gefängnis schon frühzeitig in Kauf genommen habe, wie eine Aussage gegenüber einen Mitarbeiter des Jugendamtes beim begleiteten Umgang deutlich gemacht habe. „Denken Sie mal darüber nach“, sagte Wolter.

Außerdem sollte sich H. darüber Gedanken machen, ob er wirklich das Kindeswohl im Auge habe. Besonders die Aussage am letzten Prozestag, sein Sohn Jonas sollte doch mal vor Gericht aussagen, das würde ihm gut tun, sei zumindest debattierbar. „Es würde das Kind wohl eher wieder zerreißen, weil es sich zwischen den Elternteilen entscheiden müsste. Die Aussage würde nicht der Gerechtigkeit, sondern ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit dienen“, so der Richter.

Axel H. setzte nach dem Urteil zu einem Kommentar an; das aber ist nicht vorgesehen.

Mit dem Urteilsspruch blieb die Kammer deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zweieinhalb Jahre Haft beantragt hatte. Oberstaatsanwalt Lars Janßen wollte das Urteil zunächst nicht kommentieren, ebenso wenig wie die Frage, ob er Revision einlegen würde. H.'s Verteidiger Ralf Bildon merkte lediglich an, dass Herr H. wohl mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen wäre, wenn der Angeklagte auf ihn gehört hätte. „Ob wir in Revision gehen, kann ich erst sagen, wenn ich mit meinem Mandanten Rücksprache gehalten habe." Beide Parteien haben dazu eine Woche Zeit.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde die Zeit in der Untersuchungshaft für H. angerechnet. Der 38-Jährige würde also in etwas mehr als einem Jahr entlassen werden.

Katja H. ließ gestern mitteilen, sie akzeptiere das Urteil des Gerichts. „Meine Kinder, meine Familie und ich werden Zeit und Ruhe brauchen, um diese Phase unseres Lebens zu verarbeiten.” Tore Harmening

Von Tore Harmening