Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Südheide Bildungszentrum Hermannsburg bietet Orientierung
Celler Land Südheide Bildungszentrum Hermannsburg bietet Orientierung
16:15 25.07.2018
Quelle: Oliver Knoblich
Hermannsburg

Hermannsburg. Zwei Semester lang hat Jonas Huber Kulturanthropologie studiert, dann brach er das Studium ab. „Es hat mich nicht dahin gebracht, wo ich hinwollte“, sagt er. Das Abi hatte er nach zwölf Jahren in der Tasche. Er war jung eingeschult worden. „Da blieb nicht viel Zeit für mich selbst.“ Durch Bekannte stieß er auf ein Angebot, das ihm erst einmal Luft gab und Inspiration, wie er betont. Für fünf Monate zog der 18-Jährige dazu von Freiburg nach Hermannsburg – mit 20 weiteren jungen Erwachsenen unter ein Dach.

Auf dem Stundenplan stehen Psychologie, Politik, Glaubensfragen, Ethik, Sport oder Rhetorik. Formale Voraussetzungen zählen weniger als die Motivation. Die Teilnehmer sollen den Kurs selbst mitgestalten, erläutert der Pädagoge: „Erst dadurch wird er gut.“

Mehrere Hundert Ausbildungsberufe und mehr als 10.000 Studiengänge stehen Schulabgängern heute offen. Besonders denen, die sich erst zum Ende der Schulzeit überlegen, wo es hingehen soll, falle da eine Entscheidung schwer, sagt Klaus Weber vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Er empfiehlt eine frühzeitige Orientierung etwa durch Praktika, Werkstatttage in Betrieben, den Besuch von Berufsbildungsmessen oder Potenzialanalysen, wie sie Schulen und Bildungseinrichtungen anbieten. „Stärken hat jeder und jede, auch wenn man sich dessen nicht immer bewusst ist.“

In Hermannsburg sind Betriebsbesuche und Bewerbungstrainings ebenso Teil des Angebots wie Tage im Kloster. Der Ansatz sei ganzheitlich, sagt Makus. Klausuren und Noten gibt es nicht. Das Bildungszentrum gehört zu den Heimvolkshochschulen, die angeregt durch den dänischen Pädagogen Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783 bis 1872) Anfang des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland aufkamen. Meist im Winter boten sie mehrwöchige Kurse vor allem für junge Erwachsene vom Land an. Heute sind die längeren Seminare selten geworden. Die Hermannsburger gehören zu den wenigen, die das Konzept erneuert und angepasst haben.

Um diese und andere Orientierungskurse bekannter zu machen, hat die Kasseler Pädagogin Imke Marie Badur im Internet Angebote von Vereinen, Unis oder Bildungsträgern zusammengestellt. Sie sind wie in Hermannsburg oft weltanschaulich geprägt – christlich, anthroposophisch oder ökologisch. Badur plant, Anbieter bundesweit zu vernetzen. „Für Jugendliche ist es wichtig, mal abseits der Autobahn zu stehen und sich zu fragen, wo sausen denn alle hin“, ist sie überzeugt. Zu der Entscheidung für einen Beruf müsse die Frage kommen: „Was ist ein gelungenes Leben für mich?“

Der Winterkurs-Absolventin Felicia Schopf hat in Hermannsburg auch der Abstand von ihrem Zuhause in München gutgetan. „Wir haben jeden Tag etwas Spannendes und Cooles gemacht“, sagt die 19-Jährige. Dass sie in einer Kindertagesstätte hospitiert hat, war im Kursprogramm vorgesehen. Dass sie und Mitschüler später die Kinder zu einem Erlebnistag eingeladen haben, war ihre eigene Idee. Ob beim Gitarrespielen, beim Tanzen oder bei einem Rollenspiel – die Teilnehmer geben sich gegenseitig Anregungen.

Für Jonas Huber war die Gemeinschaft das Wichtigste. „Manchmal habe ich um zwei Uhr morgens festgestellt, dass ich mich mit jemanden seit acht Stunden über lebensphilosophische Themen unterhalten habe.“ Er will wieder ein Studium aufnehmen, ähnlich wie vorher. „Aber ich bin insgesamt erwachsener geworden“, erzählt der 18-Jährige: War sein Weltbild vorher vor allem durch Eltern und Schule geprägt, so habe sich jetzt der Horizont erweitert.

Von Karen Miether

Wie könnten wir das 500-jährige Jubiläum der Reformation in Hermannsburg feiern? Die Antwort darauf war 2017 das Projekt „Bach meets Luther today“ in evangelischer Ökumene, geistlich und musikalisch. Das Geniale dabei: Johann Sebastian Bach hat in seiner „Orgelmesse“ die sieben Haupthemen des Kleinen Katechismus Luthers mit Liedern aufgegriffen und dazu kürzere und längere Orgelstücke geschrieben.

24.07.2018

Mit seiner Protestaktion gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall in Unterlüß hat sich Hermann Theisen eine Menge Ärger eingehandelt – doch der Friedensaktivist nimmt‘s gelassen. Selbst ein Beschluss der Strafabteilung des Amtsgerichts Lüneburg bringt den gestandenen Antimilitaristen nicht aus der Ruhe.

Christian Link 20.07.2018

Morgens um halb zehn liegt in Hetendorf nicht der Hund begraben, er sitzt auf dem Dorfplatz und wartet auf Besucher.

Christian Link 17.07.2018