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Südheide Brahms-Requiem in Peter-und-Paul-Kirche
Celler Land Südheide Brahms-Requiem in Peter-und-Paul-Kirche
14:27 02.11.2010
Hermannsburg

Hans Jürgen Doormann, der frühere Kantor der Hermanns­burger Kantorei, der diesen Chor noch immer trotz Pensionierung ehrenamtlich weiter leitet, hat allerdings schon oft bewiesen, dass es ihm und seinen Sängern wie Musikern durchaus zuzutrauen ist, auch oder vielleicht gerade auf dem Dorf überzeugende Aufführungen hochkarätiger Stücke zu gestalten. Immerhin hat Doormann schon mehrfach die großen kirchenmusikalischen Schlüsselwerke von Bach bis Mendelssohn und Brahms in der kleinen Südheidegemeinde aufgeführt. Man glaubt kaum richtig zu hören, wenn Doormann davon erzählt, dass er nun bereits das vierte Mal dieses Stück in Hermannsburg dirigieren wird. Und besonders erstaunlich ist, dass das Brahms-Requiem auch auf Wunsch einzelner Chorsänger auf das Programm gesetzt wurde.

Wie in kaum einem anderen Werk des aus Norddeutschland kommenden Romantikers Brahms sieht Dormann in diesem Werke einen direkten Niederschlag der eigenen Erlebnisse von Brahms vor der Komposition des Stückes. „Seine Mutter war

gerade gestorben, sein guter Freund Robert Schumann auch. Brahms muss wohl das Stück ein wenig auch zu seiner eigenen Therapie geschrieben haben. Sie muss ihm selbst Hoffnung ge-

geben haben. Und sie scheint auch heute noch auf viele Menschen hoffnungsver­mittelnd zu wirken. Auf jeden Fall gibt es einzelne Chor­mitglieder, die das Stück genau deshalb wieder einmal singen wollten, weil sie selbst gerade existentielle Krisen durch­gemacht haben. Bei diesem Stück gehen eben Geist – Welch Beherrschung der Form hier!- , Seele und Herz eine ideale Verbindung ein.“

Auf eine ganz andere Besonderheit dieser Aufführung weist Doormann noch hin: Er hat nämlich 1986 bei seinem ersten Hermannsburger Dirigat des Brahms-Requiems den Vorstellungen des Komponisten Brahms entsprechend, das Sopran-Solo von einer ganz jungen Sängerin singen lassen, der 16-jährigen Stephanie Kühne. Diese hat damals das Solo im fünften Satz so berührend gesungen, dass diese Aufführung zum Ausgangspunkt ihres Profisängertums wurde. Dieses Konzert dürfte aus vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Sache werden.

Von Reinald Hanke