Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Südheide Brandanschläge auf Häuser von Nazigegnern
Celler Land Südheide Brandanschläge auf Häuser von Nazigegnern
21:31 15.12.2011
Wenig Schaden wegen des Efeus richtete die Brandflasche am Geb‰ude von Klaus Jordan in Nieder-Ohe an. Die Spurensicherung h‰lt alles fotografisch fest. Quelle: Udo Genth
Unterlüß

UNTERLÜSS. Sabine Manneke, die Frau des Unterlüßer Pastors Wilfried Manneke, hatte heute Morgen um 7.45 Uhr die Reste der Glasflasche sowie den Brandfleck auf dem Pflaster und an der Wand des Pfarrhauses gleich neben dem Eingang entdeckt. Vom Anschlag auf ihr Wohnhaus hatte die Familie in der Nacht nichts bemerkt. Pastor Manneke informierte die Polizei. Heute Vormittag entdeckte auch Klaus Jordan im Garten seines Hauses in Niederohe eine Bierflasche. Sie roch nach Benzin, wenig später stieß er auf Brandspuren an der Außenwand des Hauses unweit des Fensters seines Arbeitszimmers.

Heute Vormittag untersuchten Experten der Spurensicherung der Celler Polizei den Anschlagsort in Unterlüß, am Nachmittag nahmen sie den Tatort in Niederohe unter die Lupe. Auch Beamte des Staatsschutzes waren vor Ort. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Celles Polizeisprecher Guido Koch. Mit Umfeldermittlungen solle die Tatzeit eingegrenzt werden. „Spekulationen über mögliche Täter wären falsch“, sagte Koch.

Manneke vermutet stark, dass der Brandanschlag einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Die evangelisch-lutherische Friedenskirche Unterlüß hatte vor knapp einer Woche den Aufruf zur Demonstration gegen die Nazitreffen in Eschede am morgigen Sonnabend unterstützt. Am Mittwoch war er in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung namentlich zitiert worden. „Ich vermute ganz stark, dass das im Zusammenhang steht“, sagte der Pastor.

Manneke ist seit Jahren aktiv im Kampf gegen Neonazis und Rechtsextremisten in der Region. Er hatte den Protest gegen ein mögliches Neonazi-Zentrum im ehemaligen Landhaus Gerhus unterstützt und gegen die Neonazi-Treffen in Eschede demonstriert. Der Unterlüßer Pastor gehört seit der Gründung vor gut einem Jahr der Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" der hannoverschen Landeskirche an, dort zählt er zum Sprecherrat. Bereits im Novemer 2010 war er vom Pfarrkonvent des Kirchenkreises Celle zum Kirchenkreis-Beauftragten der Initiative gewählt worden.

„Natürlich fühlen wir uns bedroht“, sagte Jordan. Es sei eine alte Taktik der Nazis, Menschen einzuschüchtern. Auch er hatte zusammen mit Anna Jander, mit der er die Mahnwache Gerhus ins Leben gerufen hatte, den Aufruf zur Demonstration morgen in Eschede unterstützt.

Von Joachim Gries