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Südheide Chor überzeugt – Orchester nicht
Celler Land Südheide Chor überzeugt – Orchester nicht
12:06 18.12.2013
Die Hermannsburger Kantorei zeigte bei seinem Chorkonzert seine bekannten Qualitäten. - Das Radio Kammerorchesters des NDR Hannover enttäuschten dagegen. Quelle: Benjamin Westhoff
Hermannsburg

Wenn die Hermannsburger Kantorei singt, dann ist zumeist nicht nur davon zu berichten, dass dieser Chor immer wieder durch seine besondere Qualität überrascht, sondern auch dass der Leiter Hans Jürgen Doormann im Gegensatz zu ganz vielen anderen Kirchenkonzerten dafür sorgt, dass auch das begleitende Instrumentalensemble auf einem hörenswerten Niveau spielt. Das ist bei diesen, zumeist mit Musikern aus verschiedenen Orchestern zusammengestellten Ensembles nicht selbstverständlich, denn diese Musiker verstehen solche Konzerte oft einfach als Job. So klingt das dann auch meist. In Hermannsburg ist das bisher nie der Fall gewesen. Dieses Mal jedoch entstand erstmals auch dort der Eindruck, dass die Orchestermusiker nur halbherzig bei der Sache waren. Reichlich unkonzentriert spielten die Mitglieder des Radio Kammerorchesters des NDR Hannover. Immer wieder stimmte die Intonation oder das Zusammenspiel nicht. Das war enttäuschend.

Der Chor jedoch zeigte seine bekannten Qualitäten. Wunderbar gelang das Weihnachtskonzert „Puer Natus in Bethlehem“ von Michael Prätorius mit den jubelnden Teilen, die auch als solche gesungen wurden. Diese erinnerten an das berühmte „Jauchzet, frohlocket“ aus Bachs „Weihnachtsoratorium“. In der frühen C-Dur-Messe Wolfgang Amadeus Mozarts führte Doormann dann seinen Chor zu großer Prägnanz und zeigte so, dass man dieses nicht unproblematische Stück zum eindrucksvollen Hörerlebnis machen kann. Doormann betonte einerseits die Stimmungskontraste, übertrieb es aber nicht und behielt so gut die Balance innerhalb des Stückes. Nur an wenigen Stellen irritierte Doormanns Dirigat, nämlich an den Schlüssen mit anschließenden Pausen und den Übergängen. Mal ging es zu schnell weiter, mal brach die Spannung ein. Das änderte aber nichts daran, dass die Aufführung als Ganzes sehr gelungen war.

Vorab gab es noch das bekannte „Exsultate, jubilate“ vom gleichen Komponisten. Da gefiel die Sopranistin Stephanie Kühne mehr als zu erwarten war. Sich als junge, noch unbekannte Solistin an dieses so häufig von allerlei Stimmstars gesungene Stück zu trauen, das ließ erst einmal mit Skepsis hinhorchen. Diese verflog aber bald, denn Kühnes schöne Stimme war dieser virtuosen Musik nicht nur gewachsen, es gelang ihr sogar, über das Technische hinaus die Emotionen dieser Musik zu vermitteln. Wenn die Sängerin noch ein wenig flexibler in ihrer Stimme wird, dann wird man sich ihren Namen merken müssen. Nicht ganz so eindrucksvoll geriet hingegen Vladimir Lazovs Vortrag des E-Dur-Violinkonzertes von Bach. Lazovs Spiel wirkte zwar souverän, aber nicht innerlich frei. Vielleicht hätte er einfach nicht selbst das Orchester leiten, sondern diesen Part Doormann überlassen sollen.

Von Reinald Hanke