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Südheide Chorklassiker der klassischen Moderne
Celler Land Südheide Chorklassiker der klassischen Moderne
15:24 21.06.2012
Konzert mit hermannsburger kammerchor und dormann. Chorklassiker der klassischen Moderne besonders ¸berzeugend Quelle: Alex Sorokin
Hermannsburg

In einem Programm unter dem Motto „Neige Dein Ohr zu mir“ ein musikalisches Spektrum über 450 Jahre Musikgeschichte mit einem Laienchor anzubieten, das ist schon mehr als bemerkenswert. Und dass das meiste auch noch beachtlich gut gelang, das lässt aufhorchen.

Natürlich gab es auch an diesem Abend Stücke, die besser gelangen und Stücke, die nicht so gut gelangen. Insgesamt aber war der Eindruck ein so positiver, dass jeder beseelt nach diesem Konzert nach Hause gegangen sein dürfte. Dabei waren die letzten beiden Stücke des Konzerts nicht gerade die Höhepunkte. Und außerdem erwiese sich die Programmdramaturgie zum Ende hin dann doch als ein wenig arg kleinteilig. Kaum hatte man sich in den so fein ausgehörten französischen Chorklang Duruflés eingehört, da hörte man schon Klänge vom Schütz-Zeitgenossen Schein. Und zum Abschluss gab es noch einen ganz kurzen, wenig homogenen Mendelssohn, bei dem man dann doch den Eindruck hatte, dass die Konzentration des Chores nur noch bedingt verfügbar war.

Hervorragend hingegen die älteren Stücke von Desprez und Purcell und drei Chorstücke der klassischen Moderne, insbesondere dasjenige von Benjamin Britten und das von Ernst Pepping. Schon bei Brittens Vertonung des 70. Psalms glaubte man kaum den Ohren zu trauen, wie musikalisch durchgestaltet und chorisch gut gearbeitet das Stück zu erleben war. Bei Ernst Peppings „Nikodemus“-Motette steigerte sich der Chor sogar noch einmal. Und Doormann legte das Stück genau wie Heinrich Kaminskis „30. Psalm“ und das Britten-Stück ganz auf Expressivität hin an. Und die Sänger folgten ihm bis in die klanglichen Randbereiche. Jede Phrase hatte hier eine Innenspannung, die sich dem Zuhörer nicht nur über die sehr plastische, aber nie übertriebene Zeichensprache Doormanns, sondern eben vor allem über die Ausdruckskraft des Chores vermittelte.

Neben so viel Qualität hatte es der hannoversche Organist Martin Dietterle, wahrlich kein schlechter Mann seiner Zunft, dann doch ein wenig schwer, sich mit zwei Beiträgen zu profilieren. Sein Spiel der großen Bach-Choralbearbeitung „An Wasserflüssen Babylons“ blieb trotzdem in Erinnerung. Insgesamt ein guter Abend mit beseelter Musik.

Von Reinald Hanke