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Südheide Die Finger im klebrigen Honigtopf
Celler Land Südheide Die Finger im klebrigen Honigtopf
09:41 14.12.2011
Friedel Renner zeigt eine Imker-Axt, die heute das Zunftzeichen darstellt. Quelle: Udo Genth
Hermannsburg

„Wer Bienen hegt und sie gut pflegt, lebt sorgenfrei und froh dabei“ - dieser Imkerspruch schmückt den Pfeifenkopf aus Porzellan, den Friedrich - allgemein nur Friedel genannt - Renner in seiner Hand hält. Eigentlich müsste das „ ‚… und sich gut pflegt‘ heißen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Solche kleinen Freiheiten darf sich der 73-Jährige durchaus erlauben, denn er ist Imker.

1938 in Hermannsburg geboren, hat er nur einmal für ein Jahr seinen Geburtsort verlassen. Das war während der Ausbildung zum Imker Anfang der 1950er Jahre. Damals lebte er zwischenzeitlich in Holm-Seppensen in der Nordheide. Heute zieht es ihn mit seinen Bienen im Mai und Juni nach Schleswig-Holstein. „Wegen der vielen blühenden Rapsfelder in Ostholstein“, sagt Friedel Renner. Obwohl er nach beendeter Imkerlehre als Maurer sein Geld verdiente, blieb er immer Imker. Als Freizeit-Imker besitzt er heute 15 Völker, die er in Kästen hält. „Die Körbe stehen im Hermannsburger Heimatmuseum“, sagt er.

Imker ist ein zusammengesetztes Wort aus den niederdeutschen Bezeichnungen „Imme“ für Biene und „kar“ für Korb. Die Entnahme von Honig als Ziel der Imkerei reicht zeitlich weit zurück. Das legen Höhlenmalereien aus Spanien, die vor rund 12000 Jahren entstanden, nahe. Im Alten Ägypten war Imkerei schon recht verbreitet, Griechen und Römer betrieben sie ebenfalls und kannten die therapeutischen Wirkungen von Wachs und Honig. Von den Germanen ist die Verwendung von Honig zum Süßen und Herstellen des Getränkes Met überliefert.

Renner beschränkt sich auf die Honiggewinnung: „In guten Jahren bringe ich es so auf rund 50 Kilogramm, in manchen anderen Jahren jedoch auf gar nichts.“ Da die Imkerei sein Hobby ist, nimmt er diese Schwankungen mit Gleichmut hin. Hölzerne Honigpressen und Seim-Leiter sind Utensilien, die längst durch moderneres, effektiveres Material verdrängt wurden. Trotzdem Renner hat seine Sammlung von Imker-Geräten aus früheren Jahren. Ein besonderes Schmuckstück ist das so Imker-Beil. Es ist fast eine Kuriosität, denn heute weiß niemand mehr, wozu es einmal diente. Seine jetzige Verwendung beschränkt sich auf die Funktion als Zunftzeichen der Imker.

Wie lange er seinem honigsüßem Hobby noch nachgehen will, lässt Friedel Renner offen. Hatte er einst das Handwerk erlernt, das vor ihm beide Großväter und sein Vater ausübten, so endet diese Familientradition mit ihm. Seine Kinder reiten andere Steckenpferde.

Von Udo Genth