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Südheide "Ein Gefühl von Wacken" bei Hermannsburger Festival
Celler Land Südheide "Ein Gefühl von Wacken" bei Hermannsburger Festival
11:10 14.08.2017
Quelle: David Borghoff
Hermannsburg

Ein Teich ist auf dem Gelände gar nicht zu entdecken – Wasser gibt es dennoch reichlich. Petrus hat kein Einsehen mit der jüngsten Auflage der Veranstaltung. R.A.G. nennt sich die Schülerband des örtlichen Christian-Gymnasiums, die den Startschuss gibt zum „wunderbaren Abend“, den Bürgermeister Axel Flader in seiner kurzen Begrüßung verspricht. Unaufhörlich prasselt es von oben, die bunten kleinen Gummistiefel der Kinder setzen Farbakzente im schwarzen Park-Boden, der sich zunehmend in Matsch verwandelt und die Füße der schon zu Beginn zahlreich erschienenen Gäste versinken lässt. Die Hände sind frei für ein Bier in der einen und einen Schirm in der anderen.

Die Gleichstellungsbeauftragte Gisela Meyer und der Bürgermeister sind bei diesem Open Air Schirmherr und –herrin im doppelten Sinne, betreten die Bühne jedoch ohne. Lange hält es Flader dort nicht, das Motto des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals „Für Toleranz und Vielfalt“ streift er lediglich mit dem Satz: „Integration und Inklusion funktionieren bei uns gut“. Dann räumt er das Feld für die Musik, die „heute im Vordergrund steht“.

Die Faßberger Gruppe Coroused hatte mit ihrem Heavy Rock bereits zum Auftakt einen Kontrapunkt gesetzt zur Marchingband Black Diamonds aus Soltau, wird vom „grooving sound“ der Escheder 3rd Grade Burn jedoch noch getoppt.

„Wir sind Metal-Fans“, verkünden die beiden Schüler Leon Rek und Christian Kuhnle mit letzter Kraft. Der Tanz vor der Bühne hat sie ausgepowert, das war ihre Musik. „Bei Metal-Festivals ist jeder ein Bruder“, beantworten sie die Frage, was das Festival-Motto für sie bedeute. „Das hier ist definitiv eine gute Sache, ein bisschen wie Wacken“, bringt Leon Rek das Kult-Festival nach Axel Fladers Hinweis auf „leichtes Wacken-Wetter“ zum zweiten Mal ins Spiel.

Christian Kuhnle freut sich über ein Open Air direkt vor der Haustür: „Ich bereite mich gerade aufs Abitur vor und habe daher keine Zeit, auf Festivals zu fahren.“ Der Headliner, die Berliner Rockband Kensington Road, sagt beiden Jungs nichts, aber die als Kultrocker angekündigten Hamburger 5th Avenue sind ihnen ein Begriff: „Die waren 1990 beim ersten Wacken dabei.“

Als der musikalische Höhepunkt des Abends näher rückt, kann sich Hauptorganisatorin Brigitte Behn zufrieden zurücklehnen – nicht nur weil der Regen endlich aufgehört hat. „Das Generationsübergreifende ist für uns sehr wichtig“, hatte sie im Vorfeld erklärt. Ein Blick durch die Reihen des gut gefüllten Geländes zeigt, dass ihr Wunsch nach Vielfalt aufgegangen ist. Besucher aller Generationen haben sich eingefunden. Der Schlamm zu ihren Füßen interessiert niemanden mehr. Der Hermannsburger Torsten Neumann fängt mit seinen Worten die Atmosphäre ein: „Man trifft hier Leute, es ist einfach nett, sehr friedlich – ein Gefühl von Wacken eben.“

Von Anke Schlicht