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Südheide Ein „Messias“ mit beeindruckenden leisen Zwischentönen
Celler Land Südheide Ein „Messias“ mit beeindruckenden leisen Zwischentönen
11:12 07.09.2016
Händels „MESSIAS“ in der St. Peter - Paul Kirchengemeinde Hermannsburg, 04.09.2016 Quelle: Oliver Knoblich
Hermannsburg

Einfälle von größter Popularität, die leicht darüber hinwegtäuschen können, dass das Stück für einen Laienchor eine anspruchsvolle Sache ist, auch wenn die großen Bach-Stücke noch mehr von den Chorsängern verlangen. Insofern war es geradezu ideal, dass die von Hans Jürgen Doormann geführte Hermannsburger Kantorei zur Zeit in der denkbar besten Verfassung ist und in den letzten Jahren fast alle anspruchsvollen Bach-Stücke mit Bravour gemeistert hat. Da scheint der „Messias“ zumindest in Teilen eher eine etwas leichtere Übung zu sein. In den vielen melodiösen Girlanden allerdings verlangt Händel eine stimmliche Beweglichkeit, die von Laienchören selten zu erreichen ist. In Hermannsburg waren erfreulicherweise auch diese schwierigen musikalischen Phrasen kein Problem. Man sang sie mit weitem Atem und großem Ausdruck, dabei weitgehend mit einer Leichtigkeit, die verblüffte.

Beim Orchester lagen Licht und Schatten dicht beisammen: Dirigent Doormann motivierte die Streicher zwar zu einem erfüllten und atmenden Spiel, aber hinsichtlich Sauberkeit und Tonqualität hatte das Spiel der Kammersymphonie Hannover noch Steigerungspotential. Die so differenziert wie strahlend gespielte Solotrompete hingegen überzeugte vom ersten Moment an.

Doormann dirigierte das Stück mit viel Sinn für die Steigerungen ohne ins Bombastische oder Hohle abzugleiten, vor allem aber zeigte er sich als sensibler Gestalter der lyrischen Momente des Stückes. In Doormanns Musizieren lagen die Höhepunkte in den leisen Momenten einer manchmal fast kontemplativen Versenkung. Ganz stark. Dazu passte auch, dass sein insgesamt hervorragendes solistisches Sangesquartett gleichfalls seine Stärken in den zurückgenommenen Passagen hatte. Insbesondere der Tenor Eric Stokloßa und die Sopranistin Anna Nesyba konnten beeindrucken durch ihre ausdrucksstarkes, leises Singen, bei dem nie die tonliche Substanz verloren ging. Bariton Matthias Vieweg hat sich nie verleiten lassen, mit seiner gut geführten Stimme über Gebühr aufzutrumpfen. Lediglich der klanglich ebenfalls schöne Mezzo von Hilke Andersen irritierte gelegentlich durch Intonationsschwankungen. Den so positiven Gesamteindruck des Abends konnte das aber nicht tangieren. Nächstes Jahr soll dann Bachs „Johannes-Passion“ den Zyklus „großer Stücke“ in Hermannsburg fortsetzen.

Von Reinald Hanke