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Südheide Fahndung nach Kindesentführer: Erste Hinweise
Celler Land Südheide Fahndung nach Kindesentführer: Erste Hinweise
17:46 08.06.2011
Axel Hüls Quelle: Udo Genth
Hermannsburg

Die Familie von Axel Hüls und seinen vier Kindern ist in Hermannsburg auf Tauchstation gegangen. Beim Vater beantwortet inzwischen eine Polizistin das Telefon, an der Tür der Mutter hängt ein Zettel, auf dem steht, dass sie nicht mit der Presse reden will. Die Medienaufmerksamkeit für den Fall der entführten Kinder aus Hermannsburg ist groß. Zahlreiche Fernsehsender interessieren sich für Details der Verschleppung von Lisa (4), Miriam (5), Benjamin (6) und Jonas (8).

Ende April hat der 37-jährige Axel Hüls, dem die Polizei eine christlich-fundamentalistische Einstellung bescheinigt, die vier Kinder zu einem vermeintlichen Ausflug abgeholt. Er sah die Kinder nur alle 14 Tage, denn das Paar - die Ehefrau lebt noch in Hermannsburg - war getrennt, wenn auch nicht geschieden. Doch der „Ausflug“ ging offenbar direkt zum Flughafen in Hannover. Mit 40 Kilo Gepäck und seinen vier Kinder flog er ins ägyptische Hurghada. „Wir gehen davon aus, dass er dieses Vorgehen von längerer Hand geplant hatte“, sagt Lars Janßen, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Celle. Dazu hatte er auch die Pässe der Kinder geklaut.

Nach dem Aufruf am Dienstag bekommen die Ermittler jetzt erste Hinweise. Welche Qualität die haben, ist bisher noch nicht bekannt. Janßen bestätigte indirekt die Zusammenarbeit mit afrikanischen Behörden. „Die Ermittlungen laufen mit Hochdruck auch außerhalb der Grenzen der Europäischen Union“, so Janßen.

In Ägypten orteten die Ermittler offenbar einige Male das Handy des 37-Jährigen, konnten aber nicht genau ausmachen, wo sich Axel Hüls und damit vermutlich auch seine vier Kinder befinden. Inzwischen soll Hüls am 9. Mai mit seinen Kindern in den Sudan gereist sein. „Wir haben Informationen dazu, die wir ernst nehmen müssen“, so Janßen. Die Erkenntnisse über die Reise in den Sudan haben die Ermittler dann auch bewogen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ob sich Hüls und seine Kinder noch im Sudan befinden oder wirklich dorthin gereist sind, ist laut Janßen nicht endgültig ermittelt. Auch die Frage, warum sich Hüls für den Sudan entschied, ist unklar. Mit der Mission in Hermannsburg, die einige Mitarbeiter nach Afrika schickt, hat er nichts zu tun. Er lehnt kirchliche Institutionen auf seiner Homepage generell ab.

Die Ermittler halten sich bei ihren Erkenntnissen bedeckt. So wollte Janßen sich nicht dazu äußern, ob bei der Suche Zielfahnder eingesetzt werden. Diese speziellen Ermittler, die bei den Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt angesiedelt sind, operieren weltweit.

Von Tore Harmening