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Südheide Feuerwehrgerätehaus immer teurer
Celler Land Südheide Feuerwehrgerätehaus immer teurer
16:18 04.12.2011
Den unhaltbaren Zustand zeigt Niels Pelikan: hinter den Autos, deren Motoren teilweise bereits laufen, m¸ssen sich die Feuerwehrleute umziehen - Frauen und M‰nner nebeneinander Quelle: Udo Genth
Unterlüß

UNTERLÜSS. „Wir haben nur eine Feuerwehr. Die sollten wir unterstützen“, wünschte sich Rainer Vogeler vom Ausschuss für Bauen, Natur und Umwelt der Gemeinde Unterlüß. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Dann stehen die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr hinter den Feuerwehrwagen und ziehen sich um. Die Motoren laufen, die Abgase füllen den Raum. Männer und Frauen ziehen sich gemeinsam um. „Ein Unding“, wertete Vogeler, der Allgemeine Stellvertreter des Unterlüßer Bürgermeisters Kurt Wilks. Verwaltung und Politik hatten deshalb Pläne gemacht, Dusch- und Umkleideräume einzurichten. Erste Planungen ergaben Kosten von etwa 130.000 Euro. Daraus sind mittlerweile 495.000 Euro geworden. Im Bauausschuss zeichnete Vogeler den Weg der Kostenentwicklung nach.

Zu den ursprünglich geplanten Umkleideräumen soll nach der Vorgabe der Feuerwehr-Unfallkasse auch noch eine Rauchabgasanlage kommen. Außerdem können die Feuerwehrwagen in Unterlüß nicht nebeneinander vom Hof fahren. „Das ist nach DIN-Norm gar nicht zulässig“, erläuterte Vogeler. Dazu kommt die Erneuerung der Heizung. Und der Lüftung. Und dann auch noch Dekontaminationsräume, in denen die Einsatzkräfte sich nach dem Einsatz umziehen können. Eine Planungsfirma errechnete Kosten von 240.000 Euro.

„Dann fragten wir bei Firmen in Unterlüß nach“, berichtete Vogeler dem Ausschuss und Zuhörern aus dem Ort. Die Preise, so Vogeler, waren „jenseits von Gut und Böse.“ Die Planungsfirma hatte vieles nicht berücksichtigt. Und so verkündete er unter hörbarem Luftschnappen aus dem Publikum den realistischeren Ansatz von 495.000 Euro. 100.000 Euro werden als Fördermittel aus der Feuerschutzsteuer fließen. Und Bürgermeister Wilks fasste in Worte, was der Finanz- und Verwaltungsausschuss sich nun werden fragen müssen: „Wollen wir das jetzt? Oder später? Oder wollen wir es gar nicht?“ Denn: „Es wird nicht billiger werden.“

Die Baugenehmigung hat der Landkreis bereits erteilt, sie gilt für drei Jahre. Danach müsste die Gemeinde eine neue beantragen – auch das kostet wieder Geld und Zeit. „Es tut mir in der Seele leid, aber finanziell geht das nicht. Wir können nicht alles in einem Jahr machen“, sagte Lutz Zschiesche (FÜR), auch mit Blick auf ein neues Feuerwehrfahrzeug, welches bald für knapp 300.000 Euro angeschafft werden muss. Der Beigeordnete Heinfried Meyer (CDU) gab zu bedenken, dass es keine Alternative gebe: „Die Umbauten werden irgendwann Pflicht. Dann lieber gleich.“ Am Ende der Beratungen bat die Wählergemeinschaft FÜR Unterlüß um eine Vertagung der Frage, die Argumente werden erneut beraten. Hoffnung für die freiwilligen Feuerwehrmänner und -Frauen?

„Besser wird die Finanzsituation für unsere Gemeinde nicht“, prognostizierte Vogeler. Auch er hofft darauf, dass die Arbeiten sofort in Angriff genommen werden: „Pest oder Cholera? Verschulden jetzt oder später? Zurzeit sind wenigstens die Schulden niedrig.“

Von Isabell Prophet