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Südheide Fotoausstellung in Hermannsburg: "Normal, verschieden zu sein"
Celler Land Südheide Fotoausstellung in Hermannsburg: "Normal, verschieden zu sein"
21:09 20.09.2016
Aus fast 500 Fotos wurden 30 für die Ausstellung „Kinderglück“ ausgewählt. Fotografin Elena Bokelmann hat die Kinder in der Kita „Pusteblume“ im Alltag begleitet. Dort spielen Kinder mit Down-Syndrom und gesunde Kinder zusammen. Quelle: Sonja Richter
Hermannsburg

Einerseits soll die Ausstellung genau das zeigen: den ganz normalen Kindergarten-Alltag. Gleichzeitig steckt genau in dieser Normalität eine besondere Botschaft, die auch im Untertitel der Ausstellung steckt: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Gemeint ist, dass behinderte und nicht behinderte Kinder, Kinder mit und ohne Down-Syndrom, miteinander spielen, sprechen, lachen und dass das vor allem für die Kinder das Normalste von der Welt ist.

2014 bekam der Kindergarten eine so genannte Integrationsgruppe und nahm vier kleine Mädchen mit Down-Syndrom auf. Nicht als Belastung, sondern als Bereicherung empfindet Leiterin Britta von der Ohe das Miteinander der Kinder mit und ohne Behinderung, das sie seither erlebt hat: „Dieses Glück wollen wir nun in die Welt hinausschicken.“

Auf die Idee brachte sie und ihr Team die Ausstellung „Väterglück“ vom Arbeitskreis Down-Syndrom, die Down-Syndrom-Kinder mit ihren Vätern zeigt. Als sie den Kindern die Bilder präsentierten, seien die überhaupt nicht beeindruckt gewesen. Glückliche Kinder und Väter, na und? Genau diese Reaktion machte umso mehr Eindruck bei den Erziehern: Der „Anders-sein-Blick“ ist weg. Die Kinder haben durch die gemeinsame Zeit im Kindergarten mit den schönen und fröhlichen Erlebnissen einen „Es ist normal, verschieden zu sein“-Blick bekommen. Die Idee wurde geboren, genau zu diesem Thema selbst eine kleine Ausstellung zu machen, und dass es eine Mutter gab, die professionelle Fotografin ist, passte da perfekt.

Fast 500 Bilder sind dabei herausgekommen, 30 werden derzeit in der Ausstellung gezeigt. Mehr soll es in einem Buch zu sehen geben, das jetzt in Vorbereitung ist. „Dann können die Bilder auch ganze Geschichten erzählen“, so Bokelmann. Durch Sequenzen, die darstellen, wie sich eine Situation entwickelt. Wie zum Beispiel Greta (5) und Mattheus (3) über den Zaun zwischen Kindergarten- und Krippenbereich hinweg Kontakt aufnehmen. In der Ausstellung kann das nur auf einem Foto gezeigt werden.

Bokelmann begleitete die Kinder beim Spielen drinnen und draußen, beim Essen oder auch mal bei einer besonderen Mal-Aktion. „Es sollten alles situative Aufnahmen werden, wir haben kein Bild gestellt.“ Hin und wieder auch mal ein Porträt. Bei einigen Bildern hat sie sich für einen Abzug in Schwarzweiß entschieden, um die Motive besser zur Geltung kommen zu lassen. Denn zu viel Farbe kann auch vom Wesentlichen ablenken.

Die ersten, die sie im Ludwig-Harms-Haus bewundert haben, waren die Pusteblume-Kinder selbst. Alle Kindergartenkinder stießen mit Apfel- und Orangensaft auf den besonderen Anlass an. Ausstellungsmanagerin Helene Pede nutzte die Gelegenheit zudem, um auf Inklusionsprojekte in Südafrika und Russland hinzuweisen, die vom ELM unterstützt werden.

Von Sonja Richter