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Südheide Fotofallen im Wald im Visier des Datenschutzes
Celler Land Südheide Fotofallen im Wald im Visier des Datenschutzes
12:57 07.11.2018
Unterlüß

UNTERLÜSS. Das können aber auch Waldbesucher wie Spaziergänger, Jogger oder Pilzsammler sein, die sich erholen wollen. Das Niedersächsische Waldgesetz gibt ihnen ausdrücklich das Recht, sich im Wald aufzuhalten. Dass sie dabei abgelichtet werden, widerspricht ihren schutzwürdigen Interessen, hat der Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen festgestellt. "Eine Videoüberwachung im Wald ist daher grundsätzlich unzulässig", heißt es in seiner Orientierungshilfe "Videoüberwachung mit Wildkameras".

Allerdings kennt der Datenschutzbeauftragte auch Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn es um die Beobachtung seltener oder neu angesiedelter Tierarten geht. "Die Kameras müssen dabei so angebracht werden, dass eine unbeabsichtigte Aufnahme von Personen möglichst unterbleibt. Zum Beispiel kann eine Kamera so tief aufgehängt werden, dass von Personen lediglich die Beine aufgenommen würden. Auch eine Auflösung, die zwar die Tierarten erkennen lässt, aber keine Rückschlüsse auf Personen zulässt, ist denkbar. Abbildungen von Personen sind in jedem Fall unverzüglich zu löschen", heißt es in der Orientierungshilfe. Auch könnte ein Hinweisschild auf die Kamera aufmerksam machen.

In der Landesforst sollen die Fotofallen nicht mehr eingesetzt werden, so sieht es eine Betriebsanweisung vor, auf die Wolfsberater Arne Riedel vom Forstamt Unterlüß hinweist. Für das Wolfsmonitoring, das auch Aufgabe der Wolfsberater ist, sieht Riedel den Einsatz von Fotofallen aber abgedeckt. "Wir haben großes Interesse daran, zu erfahren wo Einzelwölfe oder Wolfspaare leben."

Riedel geht davon aus, dass in der Vergangenheit die allerwenigsten Fotofallen im Wald überhaupt von Spaziergängern gesehen worden sind. Es sei nie darum gegangen, Menschen zu überwachen oder etwa Holzdieben auf die Spur zu kommen. Im Internet wird mit Hinweis auf illegale Müllentsorgung, Objektüberwachung, Diebstahl oder Vandalismus für den Kauf von Wildkameras geworben.

Im österreichischen Kärnten tappte vor zwei Jahren ein Politiker im Wald in eine Fotofalle, in flagranti mit einer Geliebten. Die Kamera löste aus, ihr ist egal, was sich vor der Linse bewegt.

Von Joachim Gries