Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Südheide Göttinger Symphonie Orchester gibt begeisterndes Neujahrskonzert in Unterlüß
Celler Land Südheide Göttinger Symphonie Orchester gibt begeisterndes Neujahrskonzert in Unterlüß
14:52 09.01.2017
Unterlüß

UNTERLÜSS. Schwebend zarte Streicherklänge eröffneten das Konzert mit der „Orpheus“-Ouvertüre von Jacques Offenbach, ein diffiziles, transparentes Klanggebilde mit großer Innenspannung, das in einen zuckersüßen Walzer mündet und mit einem temperamentvollen Can-Can abschließt. Schlagkräftige Melodik, tänzerische Lebhaftigkeit und pikante Rhythmik prägten auch den weiteren Verlauf des Konzertes. In der ihm eigenen Balance aus delikater Lässigkeit und knackigem Schwung peitschte Mueller die Leidenschaften der ausgewählten Polkas und Walzer auf. Ob Johann Strauß’ Walzer „Liebeslieder“, Josef Strauß’ Polka „Ohne Sorgen“ oder Johannes Brahms’ „Ungarische Tänze“ – Mueller fand immer wieder den idealen Mix zwischen Verlangsamung, Innehalten und Beschleunigung. Und sein Orchester genoss mit ausgefeilten Details diese fesselnde Gratwanderung zwischen zierlicher Leichtigkeit, verzärtelndem Schwelgen und stürmischer Attacke.

Chiara Sannicandro (Violine), die Solistin dieses Abends, fügte sich passgenau in den Gestaltungsrahmen ein. Einfühlsam schmeichelnd und auch im härtesten Rubato noch raumgreifend klangvoll demonstrierte sie den Zauber der Geige. Sie musizierte gefühlvoll zwischen fein gesponnener, seelenzarter Tango-Melancholie („Verano porteño“ aus Astor Piazollas „Vier Jahreszeiten“) und beseelter zauberhafter Poesie (Edward Elgars „Salut d’Amour“). Dass sie auch anders kann, bewies sie bei Maurice Ravels expressivem und dynamisch ungemein abwechslungsreichem Konzertstück „Tzigane“. Wunderbar, wie sie den rhapsodischen Duktus der langen Violineinleitung mit ihrer eigenen musikalischen Fantasie und Persönlichkeit prägte und wie sie die von Ravel eingebauten paganinihaften virtuosen Tricks beherrschte. Mal durfte der Bogen süffig schmachten, mal gab es halsbrecherische Tonsprünge und gekonnt aufreizend über die Saiten schleifende Glissandi. Selbst im zartesten Pianissimo noch ungemein ausdrucksstark, ließ die Melodien bis in ätherische Höhen aufblühen. Die technischen Irrwitzigkeiten verwandelten sich in ihrem Spiel in ein klangeffektvolles Miteinander, bei dem die rasenden Pizzikati und Flageoletts ihr Pendant in der impulsiven und manchmal fast fluoreszierenden Orchesterbegleitung fanden.

Dieses Neujahrskonzert war bis zum letzten Ton des zugegebenen Radetzky-Marsches in Musik gewandelte Lebensfreude, nicht schreiend, nicht schrill, einfach nur wunderbar aufgedreht und mitreißend beschwingt. Da kräuselten sich die Rhythmen wie aus dem Nichts zu aufschäumenden musikalischen Kaskaden, mal sphärisch, mal dramatisch, mitunter gar expressiv und wild und dennoch elegant und prickelnd wie Champagner. Der Lohn: Standing Ovations.

Von Rolf-Dieter Diehl