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Südheide Hans Jürgen Doormann dirigiert Brahms’ „Deutsches Requiem“ in Hermannsburg
Celler Land Südheide Hans Jürgen Doormann dirigiert Brahms’ „Deutsches Requiem“ in Hermannsburg
12:58 10.11.2010
Hermannsburg

Kann man das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms mit einer kleinen Kantorei so aufführen, dass die tröstende Dimension dieser Musik sich wirklich vermittelt? Kantor Hans Jürgen Doormann von der Peter-Paul-Kirche in Hermannsburg hat die Frage der Aufführbarkeit dieses Stückes mit seiner kleinen Landkreiskantorei schon vor 24 Jahren klar mit einem klaren Ja beantwortet. Nun hat er das Stück zum sage und schreibe vierten Mal einstudiert. Und man konnte erleben: Sein Ja ist berechtigt. Doormann gelang eine bewegende und dabei Zuversicht und Hoffnung vermittelnde Wiedergabe dieses Stückes, das in seiner Abfolge von sieben langsamen Sätzen eine Menge Aufführungsprobleme aufwirft.

Bei Doorman schlägt diese Aufführungsproblematik aber kaum durch. Doormanns besonderes Plus ist nämlich sein immenses musikalisches Verständnis einerseits, seine technischen und menschlichen Fähigkeiten der Chor- und Orchesterleitung andererseits. Die Hermannsburger Kantorei und die Jugendkantorei klingen in jeder Phrase wunderbar homogen. Der Klang ist ausbalanciert bis in die letzte Nuance. Natürlich zu phrasieren ist für Doormann eine Selbstverständlichkeit. Das gemeinsame Atmen wird zu einer kollektiven Ausdruckskunst der beeindruckenden Art. Gelegentliche Intonationsungenauigkeiten korrigiert der Dirigent geistesgegenwärtig, so dass man diese kaum als störend wahrnehmen kann. Schon eher irritierten da am Anfang die nicht ganz sauber spielenden Streicher des kleinen Orchesters. Oder auch der etwas sehr helle Bariton Adrian Brunners, der seinen Part aber weitgehend genauso überzeugend darbot wie die sehr klangschöne Sopranistin Stephanie Kühne.

Doormann verfügt über ein untrügliches Gespür für Temporelationen und Steigerungsdynamik. Wie er den zweiten Satz in wellenartigen Schüben immer mehr steigerte, das ließ niemanden unberührt. Und der Schlussgesang „Selig sind die Toten“, eine Art musikalischer Epilog, ging richtig unter die Haut. Ein gemeinsamer Schlusschoral von Sängern, Musikern und Publikum wirkte dann geradezu wie eine innere Befreiung für alle. Man kann nur hoffen, dass Kantor im Ruhestand Doormann seiner alten Kantorei noch lange erhalten bleibt.

Von Reinald Hanke