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Südheide Hermannsburger Ausstellung zeigt: Schönheit ist nicht immer makellos
Celler Land Südheide Hermannsburger Ausstellung zeigt: Schönheit ist nicht immer makellos
19:58 12.10.2015
Fotografin Ann-Christine Woehrl zeigt auf ihren Bildern, - die sie in Asien und Afrika aufgenommen hat, - verschiedene Frauen nach Säure-Angriffen. Quelle: Benjamin Westhoff
Hermannsburg

Faridas Mann war drogenabhängig und spielsüchtig. Als Farida ihm gesagt hatte, dass sie ihn verlassen würde, schüttete er in der Nacht Säure über sie. Ihr Körper brannte, ein Auge schmolz, die Nase wurde weggeätzt. Sechs Monate war sie im Krankenhaus, wieder zu Hause blieb sie im Bett unterm Moskitonetz liegen, wegen der Schmerzen, und damit niemand sie mit ihrem verunstalteten Gesicht sehen konnte. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, musste sie auch noch ertragen, dass schlecht über sie geredet wurde. Sie habe sich sicher etwas zuschulden kommen lassen, sonst hätte ihr Mann das nicht getan. Nur die Sorge um ihren Sohn hielt Farida davon ab, sich das Leben zu nehmen.

Aus dem Haus geht sie in ihrer Heimat Bangladesch nur noch mit einer Burka. Sie macht sich unsichtbar. Doch zugleich zeigt sie sich der Welt. Sie ist eine von zahlreichen Frauen mit ähnlichen Schicksalen, die sich von der Fotografin Ann-Christin Woehrl für die Ausstellung „Un/sichtbar – Frauen überleben Säure“ porträtieren ließen und deren Bilder nach München und Freiburg nun im Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg zu sehen sind. Helene Pede, Ausstellungskoordinatorin des ELM, erzählte bei der Eröffnung am Sonntag Faridas Geschichte.

„Eine Ausstellung, zu der ich Sie eigentlich gar nicht begrüßen möchte“, sagte Missionsdirektor Thiel in seiner Rede zur Eröffnung. Sie sei aber nötig, um Frauen eine Öffentlichkeit zu geben, „die sonst mit ihrem Schicksal allein gelassen sind“. Wie viele solcher Fälle es gibt, weiß niemand, denn oft werden die Taten, zu denen es besonders häufig in Südasien kommt, totgeschwiegen.

Anlässe für diese besonders drastische Form der Gewalt gegen Frauen sind Streitigkeiten, Eifersucht, sexuelle Zurückweisung, aber manchmal auch einfach nur die Unzufriedenheit über die Höhe der Mitgift. Einer in der Ausstellung porträtierten Frau wurde es zum Verhängnis, ein Mädchen geboren zu haben. Nicht immer sind Ehemänner die Täter, auch Schwiegermütter oder andere Verwandte greifen bisweilen zur Säure. Manchmal sind es aber auch die Frauen selbst, die so versuchen, sich das Leben zu nehmen.

Auch wenn uns viele Bilder vor Mitleid und Entsetzen die Tränen in die Augen treiben, so berühren sie auch positiv. Sie lassen uns spüren, dass die Frauen sich ihre Würde bewahrt haben, die man versucht hat ihnen zu nehmen. Auch zeigen sie, dass es Menschen gibt, die sich nicht von ihnen abgewandt haben. Eine Frau wird liebevoll von ihrer Tochter umarmt, eine andere von ihrem Mann.

Ute Penzel, Referentin für Frauen in der Ökumene des ELM, das unter anderem ein Heim für behinderte Frauen in Indien unterstützt, machte auch auf drei Säureopfer aufmerksam, die als Models zeigen, „dass Schönheit nicht nur ein makelloser Körper ist“.

Von Sonja Richter