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Südheide Hetendorfer Landwirt Henrik Lange kämpft gegen Vorurteile
Celler Land Südheide Hetendorfer Landwirt Henrik Lange kämpft gegen Vorurteile
19:45 20.01.2017
Von Carsten Richter
Henrik Lange ist seit zehn Jahren Landwirt. Auch seine Töchter Ella (links) und Johanna fühlen sich auf dem Betrieb in Hetendorf wohl. Quelle: Michael Schäfer
Hetendorf

Herr Lange, sind Sie gerne Landwirt?

Mein Beruf ist meine Berufung. Es ist ein abwechslungsreicher Beruf, der es mir ermöglicht, die Natur und moderne Technik in Einklang zu bringen.

Warum nehmen Sie am Aktionstag in der Celler Altstadt teil?

Da die Landflucht immer weiter fortschreitet und somit den Bürgern der Bezug zur Landwirtschaft immer ferner wird, möchten wir Bauern mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Es ist schade, wenn sich alle berufen fühlen, die Landwirtschaft zu kritisieren, sie aber zum großen Teil kein Fachwissen haben. Ich freue mich auf den Dialog.

Niedrige Preise für Milch, Schweinefleisch und Getreide haben vielen Bauern zugesetzt. Ist die Landwirtschaft in einer Krise?

Gerade die Generalisierung über „die“ Landwirtschaft ist nicht zutreffend. Mit dem einfachen Schwarz-Weiß-Malen werden wir ihrer Vielfalt nicht gerecht. In der Schweinehaltung gab es schon immer Hochpreis- und Tiefpreisphasen. Leider wurden die Tiefpreisphasen in den vergangenen Jahren immer länger und die Hochpreisphasen kürzer. Der Milchmarkt muss sich jetzt nach dem Wegfall der Quote neu ordnen. Ich denke, dass nur die großen Betriebe überleben werden, da nur sie mit den zunehmenden Auflagen und Vorschriften zurechtkommen.

Zu viel Nitrat im Grundwasser ist ein Vorwurf, mit dem sich Landwirte immer wieder auseinandersetzen müssen.

Ja, wir haben in einigen Regionen ein Nitratproblem. Das müssen wir lösen, also den Ursachen für die schlechten Messwerte auf den Grund gehen. Aber da hilft die pauschale Schelte gegen die Landwirtschaft nicht. Denn wir haben auch schlechte Messwerte in Waldregionen oder Städten, wo der Eintrag und die Verlagerung aus der Landwirtschaft nicht gegeben sind.

Was halten Sie von einem strengeren Düngerecht, wie es Bundesumweltministerin Barbara Hendricks fordert?

Das sehe ich kritisch. In Niedersachsen wird parallel dazu eine neue Düngebehörde geschaffen – das lässt wieder mehr Bürokratie und Gängelung erwarten. Ich bin dafür, die jetzigen Möglichkeiten der Gesetze zu nutzen und den Ursachen für schlechte Messwerte wirklich auf den Grund zu gehen.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat für 2017 mehr Geld für die Umstellung auf Ökolandbau angekündigt. Ist das ein Anreiz für Landwirte?

Nein, die geförderte Umstellung auf Ökolandbau sehe ich kritisch, da der Biomarkt zurzeit ausgeschöpft ist und durch einen hohen Zulauf dieser Nischenmarkt zerstört wird. Die Minister lassen sich ohnehin jedes halbe Jahr neue Vorschriften einfallen, die sich in den kurzen Zeiträumen nicht umsetzen lassen. Auch lassen diese kurzfristigen Entscheidungen keine langfristige betriebswirtschaftliche Planungssicherheit zu.

Was tun Sie persönlich für umweltbewusste Landwirtschaft?

Wir betreiben unsere Landwirtschaft nach guter fachlichen Praxis und bauen auf 40 Prozent unserer Fläche Zwischenfrüchte an, um eine Winterbegrünung für die Sommerfrüchte zu haben und die Nährstoffe im Boden über den Winter zu binden.