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Südheide Hitler-Mythos um Rheinmetall-Villa in Unterlüß
Celler Land Südheide Hitler-Mythos um Rheinmetall-Villa in Unterlüß
19:46 23.09.2016
Von Christopher Menge
Historische Schätze gibt es im ehemaligen Rheinmetall-Direktorenhaus in Unterlüß zu sehen, das Manfred Kannacher (kleines Bild unten) gekauft hat: Auf zwei Fenstern sind das Bundesverdienstkreuz (oben links) und der Reichsadler zu sehen. Auch der Kamin ist verziert (zweites Bild von links) und im Wintergarten existieren noch die alten Säulen (rechts). Quelle: Christopher Menge
Unterlüß

UNTERLÜSS. „Unterlüßer Bürger haben mir erzählt, dass die Reichsführung zu Kriegszeiten in dem Haus so intensiv zu Gast war, dass sie schon annahmen, dass sie einen Tunnel bauen würden“, sagt Manfred Kannacher, der das geschichtsträchtige Haus im vergangenen Jahr ersteigert hat. Die Firma Rheinmetall hatte das Haus 1915 als Direktoren-Villa bauen lassen. „Von der möglichen NS-Vergangenheit habe ich nichts gewusst, ich liebe alte Objekte mit diesem gewissen Flair“, sagt Kannacher, der sich bereits 2007 für die Villa interessiert hatte.

Das Amtsgericht Celle wollte die über 500 Quadratmeter große Villa, die auf einem 6700 Quadratmeter großen Grundstück steht, damals versteigern, fand aber keinen Käufer. Der Sachwert war damals auf 1,2 Millionen Euro und der Verkehrswert auf 620.000 Euro festgesetzt worden.

Im vergangenen Jahr hat es nun Kannacher ersteigert. Im Untergeschoss in den früheren Repräsentationsräumen hat er seine Praxisräume eingerichtet. Seit 30 Jahren arbeitet der 60-Jährige als Heilpraktiker – zunächst in Rheine, dann an der Nordsee. Im ersten Obergeschoss – im Wohnbereich – befindet sind nicht nur die Küche mit der Sitzecke, sondern auch einige riesige Diele, in der die 36-jährige Nadja Kannacher Yoga-Kurse für bis zu 15 Personen anbietet. Auf einem Fenster ist der Reichsadler zu sehen, auf einem anderen das eiserne Kreuz erster Klasse, das 1914 vermutlich an einen Rheinmetall-Direktor verliehen wurde.

„Im Obergeschoss hatten die Bediensteten ihre Zimmer“, erzählt Kannacher. Sechs Einheiten, jeweils mit Bad, sind hier vorhanden. „Wir können uns vorstellen, einzelne Zimmer zu vermieten, um etwas Leben ins Haus zu kriegen“, sagt Kannacher, der die meisten Renovierungsarbeiten in der Villa selbst erledigt. Probleme mit dem Denkmalschutz habe er nicht. „Wenn man das Haus so liebt, wie es ist, hat man gar keine Probleme“, sagt er, „der Stil ist doch das Schöne.“ Andere Interessenten hätten wohl Angst vor hohen Heizkosten gehabt, vermutet der Heilpraktiker, der aber inzwischen fast alle alten englischen Vertikalschiebefenster isoliert hat.

Im Keller, in dem Kannacher die Wände erst einmal trockenlegen musste, ist nichts Historisches mehr vorhanden. Da, wo einst der Bunker war, ist heute eine Sauna. Ob Hitler, Speer und Rommel wirklich in der Villa getagt haben, ist schwer herauszufinden. Weder in der Unterlüßer und der Rheinmetall-Chronik noch im Archiv von Rheinmetall finden sich Hinweise, die einen Besuch belegen.