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Südheide Johannes-Passion in Hermannsburg neu interpretiert
Celler Land Südheide Johannes-Passion in Hermannsburg neu interpretiert
13:12 21.03.2017
Aus Anlass des Reformationsjubiläums führte die Hermannsburger Kantorei in der St.-Peter-Paul-Kirche die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach auf. Quelle: Michael Schäfer
Hermannsburg

So entstanden an diesem Abend eher kleine, manchmal lyrische, manchmal eher dramatische Arien für Chor in Choralform, die eine Vielfalt und einen Reichtum an Ausdruck beinhalteten, dass man nur so staunte. Und unweigerlich berührt wurde. Das waren außerordentlich tiefe Eindrücke dieses Abends, die natürlich nur möglich wurden, weil der Chor, vor allem in den Sopranen, ausgesprochen gut vorbereitet war und mit vollem Einsatz genau auf die Vorgaben Doormanns reagierte. Und dieser wollte offensichtlich diese musikalische Leidensgeschichte Christi als eine Passion der Zuversicht aufgefasst sehen. So kam da Stück zumindest herüber.Leider gab es aber auch kleinere Schwachstellen bei dieser Wiedergabe. Da war zum einem das Orchester, das in den Streichern nicht immer umsetzte was Doormann vorgab. Trotzdem fand die Realisierung des Orchesterparts auf einem für instrumental nur kurz geprobte Kirchenkonzerte doch beachtlich hohen Niveau statt.

Ein wenig Pech hatte man in Hermannsburg wegen zweier kurzfristig ausfallender Solisten. Beide wurden zwar auf beachtlichem Niveau ersetzt, aber gerade den kurzfristig ausgefallenen Evangelisten Eric Stokoßa, eine Edelbesetzung, wie man sie in manch Großstadt nicht hat, konnte der durchaus gut singende Ersatz Oliver Kaden nicht ganz vergessen machen. Der andere junge Einspringer Jean Christoph Fillol als Petrus und Pilatus machte seine Sache auch recht gut, wirkte aber, vielleicht altersbedingt, noch ein wenig äußerlich in seiner Singweise. Wenig begeisternd geriet der Altpart der mehrfach unsauber intonierenden Hilke Andersen. Sehr überzeugend hingegen die Sopranistin Anna Nesyba, die in ihrer musikalischen Textausdeutung wie selbstverständlich Doormanns Vorstellungen umzusetzen in der Lage war. Absolut überragend bei den Sängern aber war der Jesus des Matthias Vieweg: Dieser lag spürbar von sich aus auch ganz auf der musikalischen und textausdeutenden Wellenlänge des Dirigenten und verfügt zudem noch über eine schöne Stimme und eine ungemein souveräne Stimmtechnik und Gestaltungskraft. Insgesamt ein sehr beeindruckender Abend. Reinald Hanke

Von Reinald Hanke