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Südheide Kamera fotografiert Wolf-Silhoutte neben Wohnhaus in Unterlüss
Celler Land Südheide Kamera fotografiert Wolf-Silhoutte neben Wohnhaus in Unterlüss
17:40 30.06.2017
Von Christopher Menge
Streift nachts ein Wolf durch Unterlüß? Ein Foto aus einer Wildkamera legt diesen Verdacht nahe. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Unterlüß

UNTERLÜSS. Von einem lauten Geräusch wird Werner Vonhoff mitten in der Nacht aufgeschreckt. "Es hat sich angehört, als ob ein Kleinkind schreit", erzählt der Unterlüßer, der an der Straße "Hohe Luft" wohnt. Als er aus dem Fenster blickt, sieht er einen Wolf, der einem Reh hinterherjagt. Als das Wild in den Nachbargarten hinüberläuft – einen Zaun zwischen den Grundstücken gibt es nicht –, macht der Wolf plötzlich kehrt und läuft direkt am Haus von Vonhoff vorbei. Dabei löst die Wildkamera aus, die Vonhoff installiert hat. Zu sehen ist die Silhouette des Wolfes im Licht des Bewegungsmelders.

Die Bilder, die die Kamera liefert, sind allerdings sehr unscharf. Aus dem Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesamtes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gibt es daher keine Bestätigung. "Ob es sich bei dem auf dem Foto abgebildeten Tier um einen Wolf handelt, ist angesichts der Unschärfe der Aufnahme nicht zu beurteilen", sagt der Pressesprecher der Behörde, Achim Stolz. "Grundsätzlich gehören der Landkreis Celle und auch die Region um Unterlüß zum Verbreitungsgebiet der niedersächsischen Wolfspopulation."

Aber traut sich Meister Isegrim so nah an die Menschen? "Wölfe sind in der Regel scheue Tiere, die die Nähe des Menschen meiden", sagt Stolz. "Autos und Häuser aber werden vom Wolf nicht mit dem Menschen in Verbindung gebracht und werden deshalb nicht unbedingt gemieden." Es könne also vorkommen, dass ein Tier sich dort aufhalte – vorwiegend in der Dämmerung und Nacht, wenn es keine Störung durch Menschen gebe – manchmal aber auch tagsüber.

"Auch in Gebieten, in denen Wölfe leben, kann man sich weiterhin frei bewegen", betont Stolz. Vonhoff, der die Beutetiere schon seit etwa zwei Jahren in der Nähe und auf seinem Grundstück beobachtet, hat aber schon Bedenken. "Der Wolf streunt immer mehr im Ort", sagt er, "bisher ist er scheu, aber man weiß nicht, ob er gefährlich ist – da wird man schon unruhig."

Auch der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, Raoul Reding, kann anhand der Bilder einen Wolf nicht eindeutig identifizieren. Aber auch wenn es sich zweifelsfrei um einen handeln würde, gebe es momentan keinen Anlass zu handeln. "Das ist einmal passiert und war mitten in der Nacht", sagt Reding, "wenn Wölfe sich regelmäßig den Menschen nähern, werden wir tätig."