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Südheide Kammerchor Hannover zu Gast in Hermannsburg
Celler Land Südheide Kammerchor Hannover zu Gast in Hermannsburg
13:49 24.10.2017
Hermannsburg

Da ist nicht nur eine stimmliche Sicherheit abrufbar bei den vierundzwanzig Sängerinnen und Sängern, wie man sie selten erleben kann, es ist bei Konzerten dieses Chores vor allem auch regelmäßig eine musikalische Gestaltungsfähigkeit zu erleben, die dem Zuhörer die Emotionen der Musik direkt erlebbar macht. Das ist eine Fähigkeit zur musikalischen Durchformung die weit über das hinausgeht, was ein Chorleiter vermitteln kann. Da muss bei jedem Sänger von sich aus ein Gestaltungswille und eine Musikalität vorhanden sein, die weit über das Normale hinausgeht. Dazu bedarf es schlicht von vornherein musikalisch begabter Sänger und zusätzlich eben auch eines Chorleiters, der die Sänger über lange Zeit so musikalisch geschult hat, dass sie selbst schwere Stücke wie die Bach-Motetten oder anspruchsvolle zeitgenössische Chormusik ohne groß hörbare Anstrengung singend gestalten können. Zu erleben war das in der Hermannsburger Kirche Peter und Paul.

Sven-David Sandströms Vertonung des gleichen Textes den Bach in seiner Motette „Jesu, meine Freude“ ist zwar sicher als auf zweierlei Art hörbares Stück über einen Text einerseits und über eine bekannte Musik andererseits eine geradezu meisterhafte Sache, aber diese Musik auch so musikalisch zu vermitteln, dass der Zuhörer genau dieser Hörerfahrung machen kann, das ist große Kunst. Dem Kammerchor Hannover unter der Leitung von Stephan Doormann gelang das bestens. Man konnte diese persönlichkeitsstarke schwedische Musik in ihrer Eigenständigkeit wahrnehmen, aber zugleich auch den Original-Bach dazu denken und das Stück als eine Art Kontrafaktur hören. Ein tolles Hörerlebnis. Dass der Kammerchor danach auch Bachs Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ mit einer geistigen Frische und in einer von Optimismus und Zuversicht getragenen Art sang, das schien fast schon selbstverständlich. Das ist es aber ganz und gar nicht. Und dass Chorleiter Doormann das ganze Programm unter dem reformatorischen Motto „Erneuerung“ auch noch theologisch fundiert aufgebaut hat und zudem auch noch sinnfällig erläutern konnte, ist zudem bemerkenswert. Überhaupt zeichnete sich dieses Konzert nicht nur durch sein hohes Musizierniveau aus, sondern auch dadurch, dass hier jeder Programmpunkt seine Berechtigung hatte und nicht austauschbar wirkte.

Über die Erkenntnis der Notwendigkeit von Erneuerung und die vorübergehende, suchende Ratlosigkeit auf dem Weg der Erneuerung und die erkennende Freude eines neues Wegs bis hin zur Freude über die neu gewonnene Freiheit, all das kam in diesem Programm zum Ausdruck durch genau passend ausgewählte Werke. Zäsuren unterstützender Art setzte dabei Organist Hans Jürgen Doormann mit dem grüblerischen, innere Verstricktheit musikalisch abbildenden „Aus tiefer Not“ und der Selbstgewissheit des „Wir glauben all an einen Gott“, beides aus Bachs „Orgelmesse“.

Dass die klangliche Homogenität und Klangschönheit dieses Chores bisher kaum angesprochen wurde, soll hiermit noch nachgeholt werden. Am 17. Dezember singt der Chor ein Weihnachtsprogramm in der Westerceller Kirche. Das Datum sollte man sich vormerken.

Von Reinald Hanke