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Südheide Katja Hüls berichtet über ihr Schicksal
Celler Land Südheide Katja Hüls berichtet über ihr Schicksal
18:43 16.06.2011
Katja Hüls bei Stern TV Quelle: Tore Harmening
Hermannsburg

Katja Hüls wurde schnell unruhig als der von ihr getrennt lebende Mann Axel Hüls mit den vier Kindern Lisa (4), Miriam (5), Benjamin (6) und Jonas (8) nicht von einem vermeintlichen Fahrradausflug zurückkehrte. Es war das erste Mal, dass der 37-Jährige nach der Trennung die Kinder ohne Begleitung des Jugendamtes sehen durfte. "Die Polizei beruhigte mich zunächst. Um 1.30 Uhr in der Nacht klingelte dann aber das Telefon und die Polizei versuchte mir schonend beizubringen, dass er mit den Kindern nach Ägypten geflogen ist“, erzählt Katja Hüls in der Sendung Stern TV am Mittwochabend.

Von dort fährt er am 9. Mai mit dem Schiff und seinen Kindern in den Sudan. Sein Aufenthaltsort ist derzeit unbekannt. Für Harald Weiske, Experte für Kindesentführungen, der ebenfalls in der Sendung war, ist der ganze Fall untypisch. „Normalerweise kommen Entführung ins Ausland bei Ehepartnern mit verschiedenen Nationalitäten vor, wobei der eine Partner die Kinder jeweils in sein Heimatland bringt“, sagt Weiske. In diesem Fall sehe es eher so aus, als habe Axel Hüls bemerkt, dass er in Ägypten gesucht wird und sich deshalb in den Sudan abgesetzt. „Er kennt sich nicht aus und hat wenig Geld. Irgendwann wird er aus dem Sudan ausreisen in eine Gegend, in der ein Computer ist und dann kehren die Kinder nach Hausen zurück“, ist Weiske überzeugt.

Das Motiv des Entführers bleibt weiter unklar. Katja Hüls erklärt sich die Entführung mit dem fanatischen Glauben des 37-Jährigen. „Für ihn ist die normale Welt Sünde. Davor wollte er wohl seine Kinder bewahren“, versucht sie eine Erklärung. Aber wirklich verstehen kann sie ihn nicht. „Ich frage mich immer, warum er so etwas tut?“, sagte sie in der Sendung.

Auch der Hermannsburger Pastor Hans-Heinrich Heine beschreibt in dem Beitrag, wie sich der Entführer in den vergangenen Jahren immer mehr absondert, die Kirche ablehnt „und dieses Verhalten auch von seiner Familie einfordert“. Mit der Entführung hat er den Eindruck nicht mehr voll zurechnungsfähig zu sein, bestätigt.

Die Mutter versucht, mit der Situation zurecht zu kommen. Einen Alltag zu erkämpfen. Aber es fällt schwer. „Ich gehe arbeiten. Wenn ich dann mittags nach Hause kommen, ist das Haus leer“, erzählt sie und muss unter Tränen abbrechen.

Es war sichtbar ein schwerer Gang, den sie bei Stern TV zusammen mit einem Freund der Familie bewältigte. Doch er hat offenbar Früchte getragen.

Zum einen läuft laut Pastor Heine die Spendenaktion für die Familie sehr gut. „Wir stellen auch Spendenbescheinigungen aus“, sagte er, nachdem sich ein Leser mit dieser Frage bei der CZ gemeldet hatte. Zum anderen und noch wichtiger „melden sich nach der Sendung Stern TV und dem Aufruf bei Aktenzeichen XY...ungelöst im ZDF viele Menschen aus Deutschland, die beruflich im Sudan unterwegs sind oder Kontakte haben und die versprochen haben, die Augen offen zu halten“, so Heine. So gibt es zum Beispiel das Team eines Autobauers, das dort unten Fahrzeuge testet und sich jetzt umschauen will.

Und trotz der schweren Stunden und der Tatsache, dass der Aufenthaltsort ihrer vier Kinder unbekannt ist, lässt sich Hüls nicht entmutigen: „Ich glaube fest daran, dass sie zurückkehren. Und diesen Glauben lasse ich mir auch nicht nehmen.“

Von Tore Harmening