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Südheide Kirche will Mutter von entführten Kindern helfen
Celler Land Südheide Kirche will Mutter von entführten Kindern helfen
23:16 10.06.2011
Hans-Heinrich Heine und Detlef Kohrs mit dem Spendenaufruf vor der Großen Kreuzkirche. Quelle: Tore Harmening
Hermannsburg

CELLE. Ein Fußballtor steht noch im Garten der Familie Hüls in Hermannsburg. Fast so, als seien Jonas (8), Benjamin (6), Miriam (5) und Lisa (4) gerade rein gegangen, um sich vom Toben zu erholen. Doch die vier Kinder sind nicht da. Ihr Vater Axel Hüls hat sie abgeholt und ist mit ihnen statt eine Radtour zu machen, nach Afrika geflogen.

Mutmaßlich befindet sich die Familie im Sudan, einem Land, das das Auswärtige Amt für mit eines der gefährlichsten auf der Welt hält.

Die Mutter Katja Hüls verbringt schwere Stunden. „Sie versucht sich eine Art Alltag zu erkämpfen, lenkt sich ab mit Arbeiten am Haus und im Garten“, sagt Hans-Heinrich Heine, Pastor in der Großen Kreuzgemeinde in Hermannsburg.

Der 39-Jährige kennt die Familie gut. Er hat die Kinder getauft und dabei auch den Vater kennengelernt. „Bei dem Taufgespräch für Benjamin hat man schon bemerkt, dass er deutliche Vorbehalte hat“, sagt Heine. Das ist gut fünfeinhalb Jahre her. Kurz danach hatte Heine das Austrittsschreiben des heute 37-jährigen Axel Hüls auf dem Tisch. „Weil er theologische Gründe angeführt hat, habe ich nachgehakt, aber da hat er schon abgeblockt“, sagt Heine.

Der Mann isoliert sich, ist arbeitslos, verschwindet zwischendurch offenbar einige Zeit nach Berlin und taucht dann wieder auf. Er entwickelt immer stärker die Haltung, die die Polizei jetzt fundamental-christlich nennt. Institutionen wie die Kirche lehnt er ab. Es kommt zur Trennung von seiner Familie. Er darf die Kinder nur alle 14 Tage sehen. Bis er jetzt die Kinder entführt.

„Die Frage, die jetzt die Familie beschäftigt, ist, warum hat er das gemacht?“, sagt einer aus dem Umfeld. Wobei jeder nur auf die Variante hofft, dass er die Kinder nur für sich haben will und keine schreckliche Tat plant.

Doch auch wenn das zutrifft und dafür gibt es Anhaltspunkte, bringt er die Kinder in Gefahr, denn der Sudan ist sehr gefährlich. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes weist auf die Warnungen vor verschiedenen Landesteilen hin. Christen werden besonders im muslimisch geprägten Norden des Landes Opfer von Verfolgung. Doch genau hier könnte eine Begründung dafür liegen, warum Axel Hüls in den Sudan ging. Wie es in einem Rundschreiben der Selbstständigen Evangelischen Lutherischen Gesamtkirche heißt, hat Hüls auf seiner Homepage geschrieben, „dass in Ländern, wo die Christenheit verfolgt und unterdrückt wird, besonders viele Menschen zu Jesus Christus" fänden. Das sei beispielsweise in islamisch geprägten Ländern der Fall. Begab sich Hüls also absichtlich in Gefahr, um mit seinen Kindern in einem Land zu leben, wo Christen unterdrückt werden? Es wäre eine mögliche Erklärung, eine andere, dass „er in ein Land reist, in das er keine Verbindungen hat, damit er nicht gefunden wird“, sagt Pastor Heine.

Die Gemeinde will der Mutter in dieser schweren Zeit beistehen. Neben den Gesprächen, die Heine mit Katja Hüls führt, möchte die Gemeinde auch materiell helfen. Sie rufen zu Spenden auf und wird dabei von allen Kirchengemeinden in Hermannsburg unterstützt. Wer spenden will, kann seinen Beitrag auf das Spendenkonto der Große Kreuzgemeinde überweisen: Kontonummer: 3222001; BLZ 25791635 bei der Volksbank Südheide, Stichwort Hüls.

Von Tore Harmening