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Südheide "Konzern umgeht Waffen-Exportverbote"
Celler Land Südheide "Konzern umgeht Waffen-Exportverbote"
17:56 02.09.2018
Friedlicher Protest gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall. Quelle: Anke Schlicht
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Unterlüß

UNTERLÜSS. „Waffen – nein danke!“ Mit dieser Formel lässt sich der Demonstrationsmarsch gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall in Unterlüß umreißen. Unter dem Motto "Rheinmetall entwaffnen" zogen die Teilnehmer vom Bahnhof zum Haupttor der Firma.

Er war der Höhepunkt eines einwöchigen, noch andauernden Protestcamps von Friedensaktivisten unterschiedlicher Gruppierungen und Parteien im Zentrum des Ortes. „Wir rechnen mit 500 Teilnehmern“, hatte Campsprecher Matthias Gerhard im Vorfeld prognostiziert. Ganz so viele wurden es nicht, ein möglicher Grund waren laut Gerhard die parallel in Hamburg und Chemnitz kurzfristig anberaumten Demonstrationen: „Wir sind zufrieden mit der Resonanz, wichtig ist, dass Gleichgesinnte sich zu Wort zu melden, egal wo“. Auf 250 Personen schätzte Polizeisprecherin Birgit Insinger die Anzahl der Menschen, die sich zur Auftaktkundgebung versammelten.

Inmitten des bunten Meeres aus Fahnen, Transparenten und teilweise sehr phantasievoll gestaltetem „Rüstungsgut aus Pappmaché“ findet sich auch der Celler Historiker Reinhard Rohde, der den Celler Verein „Land in Sicht – Transition“ vertrat: „Wir kritisieren, dass der Konzern die in Deutschland geltenden Waffen-Exportverbote umgeht durch Niederlassungen in Ländern mit moderateren Gesetzen.“ Nicht mitten im Geschehen, sondern etwas abseits steht Mats M., er ist aus Braunschweig angereist: „Ich bin durch Chemnitz aufgeschreckt worden. Mir ist klar geworden, dass man etwas tun muss, ein bisschen Hilflosigkeit ist auch dabei, demonstrieren ist der erste Schritt. Wir eskalieren Konflikte durch den Verkauf von Waffen, Fluchtursachen bekämpfen wir damit nicht“, sagt der junge Mann.

Als der Zug sich in Richtung des Firmengeländes in Bewegung setzt, hat sich die Zahl der Demonstranten erhöht. Die Polizei sprach am Abend von 400 Teilnehmern, die friedlich demonstrierten. Der Leiter der Celler Polizei, Eckart Pfeiffer, sagte, es seien "sehr viele Auswärtige“ dabei. Steffen Geisler gibt sich als Unterlüßer zu erkennen: „Ich schaue, was hier so los ist.“ Dem Zug schließt er sich nicht an. „Wenn wir die Rüstungsgüter nicht produzieren, dann machen es andere Länder“, lautet seine Ansicht. Ein Argument, das Historiker Rohde nicht gelten lässt. Er verweist auf die Vorbildfunktion von führenden Industrienationen wie Deutschland im Positiven wie im Negativen. Geisler hat durchaus Verständnis für die Aktivisten: „Wir haben uns auch das Camp angesehen, die haben überhaupt nicht gestört.“ Im Kleinen scheinen die engagierten Camper das umgesetzt zu haben, was sie im Großen fordern. Fabian Glantt ist ebenfalls mehrfach vorbeigefahren, sein Eindruck: „Das sind friedliche Menschen.“

Von Anke Schlicht

An diesem Wochenende sind eine Reihe von Protesten gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall am Standort in Unterlüß geplant. Die Firma bittet um Fairness.

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