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Südheide Konzert in Hermannsburg: Einfühlsames Ausleuchten religiöser Gefühlswelten
Celler Land Südheide Konzert in Hermannsburg: Einfühlsames Ausleuchten religiöser Gefühlswelten
16:19 12.06.2017
Hermannsburg

Die Instrumentalisten umspielten bei bekannten Liedern wie „Ein feste Burg ist unser Gott“ ebenso wie bei weniger populären Kompositionen den Gesang mit fein zisilierten Melodieläufen, kehrten wieder zu ihm zurück und schwangen sich zu neuen Höhen auf. Dabei zeigte Nietzkes Stimme eine eindrucksvolle Schattierungsvielfalt, mit der er die geistliche Strenge ebenso auszuleuchten vermochte wie die frohlockende Anbetung.

Die Interpretationen gestalteten sich zu einem farblich stimmigen Bukett vokaler und instrumentaler Blüten, die sich aus den Tönen öffneten und akkordreich aufbrachen, um sich dann im zart verklingenden Piano wieder zu schließen. Bei den ausgewählten Sonatensätzen und Liedvorträgen agierten die Interpreten mit einem beachtlichen Gespür für sinnliche Reibungen und Zusammenklänge und spielten geschickt mit den variantenreichen Klangpaletten der Komponisten. So verwandelten sie die Stücke in auf- und anregende Musik und ließen sie für das Publikum zu einem gehaltvollen und abwechslungsreichen Musikerlebnis werden.

In ihrer perfekt aufeinander abgestimmten Programmfolge entwickelten die drei Musiker einen meditativen Sog, der berührte und faszinierte. Und sie zeigten eindrucksvoll, wie man diese gefühlstiefe Musik zeitgemäß aufführen kann, ohne ihr Gewalt anzutun. Mit leicht dahingeworfenen Verzierungen und dezent untermalender Continuoarbeit sorgte das Ensemble für die passenden Konturen und das adäquate einfühlsam-dramatische Ausleuchten religiöser Gefühlswelten („Ich will in aller Not“, „Ich traue seiner Gnaden“). Voller Intensität und ausdrucksstark kam die Musik rüber, auch weil ihr immer genügend Raum für die klangliche Entfaltung gegeben wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl