Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Südheide Lebhaft, mitreißend und musikalisch komplex
Celler Land Südheide Lebhaft, mitreißend und musikalisch komplex
18:08 08.08.2010
Das Vokalensemble Raggio di Sol, Hannover, bei seinem Konzert am 7. August 2010 in der Hermannsburger St.Peter-Paul-Kirche. Quelle: Peter Bierschwale
Hermannsburg

Dass der Chor die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte, lag weniger an den sieben Sängern, sondern an den fehlenden: Zwei Sänger hatten das Ensemble vor wenigen Wochen verlassen, und die nun fehlenden Stimmen konnten natürlich nicht so kurzfristig ersetzt werden, so dass die Musik insbesondere bei den Frauenstimmen nicht immer komplett klang. Dennoch konnte der Chor in einigen Stücken mit einer beeindruckenden Vielstimmigkeit und gesanglicher Präzision glänzen. Die atemberaubende Akustik der Hermannsburger Kirche leistete dabei erstklassige Schützenhilfe.

Als erstes Stück hatte der Chor eine Komposition ausgewählt, die zugleich auch die älteste des Abends war. Das erschien zunächst einleuchtend, war aber nicht unproblematisch: Der französische Komponist und Lyriker Guilllaume de Machaut (1300 – 1377) hatte zwar mit seinen Kompositionen die gregorianische Einstimmigkeit überwunden, aber seinem „Kyrie“ war die spätmittelalterliche Herkunft anzuhören. Der Gesang zog sich für heutige musikalische Ohren recht etwas monoton hin. Vielleicht hätte das Stück nicht an den Beginn gesetzt werden sollen.

Doch dann entführten die drei Sängerinnen und vier Sänger ihr Publikum tatsächlich in den „Garten der Liebe“, wobei „Liebe“ nicht eng zu verstehen war: Die Madrigale boten eine erstaunlich musikalische und inhaltliche Vielfalt, die von Requiem-ähnlicher Getragenheit bis zu fröhlichen Tänzchen reichte, und in den Texten ging es nicht nur um romantische Liebe, sondern auch um Deftiges, so um „gehässige alte Zankweiber“ oder um die Völlerei: „Essen wir, trinken wir so viel bis wir platzen, denn morgen werden wir fasten“ (Juan del Encina, 1468 – 1529). Das war lebhaft, mitreißend und musikalisch komplex. Selbst die kurzen Pausen in den Stücken waren dank der Kirchenakustik äußerst reizvoll, weil der Gesang wunderbar nachhallte.

Ausgesprochen hilfreich für das Verständnis der Musik war nicht nur die Moderation des Chorleiters Alfredo Ihl, sondern auch die kleine Broschüre, die an alle Zuschauer verteilt worden war. Darin fanden sich die Texte im zumeist spanischen oder englischen Original und in der deutschen Übersetzung – ein toller Sevice!

Zu hören war die Gruppe auch bei einem Konzert in der Celler St.-Ludwig-Kirche, der Erlös soll den Erdbebenopfern in Chile zugute kommen.

Von Peter Bierschwale