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Südheide Ministerin weicht Diskussion aus
Celler Land Südheide Ministerin weicht Diskussion aus
01:32 14.02.2012
In den Mittelpunkt ihres Vortrages stellte Sozialministerin Ayg¸l ÷zkan die Bem¸hungen ihres Ressorts f¸r Verbesserungen im Gesundheitswesen. Quelle: Udo Genth
Hermannsburg

Die Ministerin begann pünktlich mit ihrem Beitrag in der Heimvolkshochschule Hermannsburg. Vor den rund 60 gespannt lauschenden Zuhörern fällte sie zunächst ein klares Urteil: "Wir haben vielleicht das beste Gesundheitswesen der Welt". Dass die Menschen in Deutschland immer älter werden, bringe vermehrt Alterskrankheiten mit sich, fuhr Özkan fort. Getreu dem Motto der EAK-Veranstaltung "Aktuelle Herausforderungen der Gesundheitspolitik" beschrieb sie zunächst die einzelnen Kompetenz-Ebenen, um dann speziell für Niedersachsen zu sprechen. Als Flächenland brauche unser Bundesland mehr Allgemeinärzte, stellte die Ministerin heraus. In den drei Landkreisen Emsland, Wolfenbüttel und dem Heidekreis sei vor rund zwei Jahren ein Projekt gestartet worden, das regionale Lösungen zur Gesundheitsversorgung prüfen solle.

Darüberhinaus habe ihr Ministerium einen Pflegepakt mit den verschiedenen Verbänden und Einrichtungen geschlossen, der den Fachkräftebestand in der Alten- sowie ambulanten und stationären Pflege sichern soll. Darin verpflichtet sich das Land beispielweise zu Zuschüssen für die Ausbildung von Pflegekräften, während die Träger die Tarifgehälter berücksichtigen und die betriebliche Gesundheitsfürsorge der Pflegekräfte verbessern werden. Ministerin Özkan rief schließlich dazu auf, möglichst positiv über Pflegeberufe zu reden, um junge Menschen nicht zu demotivieren.

Mit diesem Appell verließ die Sozialministerin unter Hinweis auf einen Anschlusstermin den Saal. Dieses Verhalten löste teilweise Befremden unter den Zuhörern aus, die Bewertung reichte von "Schade" bis zu "Fahnenflucht".

So blieb es den beiden potentiellen Kontrahentinnen nur übrig, ihre Positionen darzulegen. Anke Lesinski-Schiedat kritisierte die heutige Versicherungspraxis, die keine Eigenverantwortlichkeit fordere. Die Vertreterin des Hartmannbundes warnte vor einer "Staatsmedizin". Andrea Dörries beklagte dagegen die "Industrialisierung des Gesundheitswesens", die sich auch in der Sprache ausdrücke. Sie wollte wieder den Solidaritätsgedanken, der alle Versicherten untereinander binde, stärker betont sehen.

Damit waren die Eckpunkte einer sicher interessanten Diskussion bekannt, die leider nicht zustande kam.

Von Udo Genth