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Südheide Minnetraum und Frühlingsmärchen: Neue Ausstellung in Unterlüß
Celler Land Südheide Minnetraum und Frühlingsmärchen: Neue Ausstellung in Unterlüß
10:08 07.05.2014
Susanna Böhme-Netzel, Leiterin der Worpsweder Kunsthalle, und Klaus Homann, - Leiter des Albert-König-Museums, vor Heinrich Vogelers Radierung „Minnetraum“ - aus dem Jahr 1894. In der Ausstellung ebenfalls zu sehen: Heinrich Vogelers Radierung „Erster Sommer“ aus dem Jahr 1904 (kleines Bild). Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Unterlüß

UNTERLÜSS. Es war sein Worpsweder Künstlerfreund Hans am Ende, der Heinrich Vogeler (1872-1942) zur Grafik brachte. „Das müssen Sie unbedingt mit der Nadel in Kupfer radieren“, hatte er überschwänglich gefordert, als er seinerzeit Vogelers mit Bleistift gezeichneten Naturstudien und fantasievolle Märchenmotive in dessen Skizzenbuch entdeckte. Beide gehörten zur ersten Generation der berühmten Künstlerkolonie Worpswede. Und Vogeler ließ sich bereitwillig von ihm in diese Technik einweisen. Was er im Laufe seines künstlerischen Schaffens daraus zu machen wusste, davon zeugt die ihm gewidmete aktuelle Kunstausstellung im Albert-König-Museum Unterlüß, die am Sonntag eröffnet worden ist. Über 100 Exponate aus der privaten Sammlung Böhme-Netzel – darunter neben Grafiken aus allen Schaffensperioden auch diverses Anschauungsmaterial – sind dort bis zum 20. Juli zu sehen.

Nach einer kurzen Exkursion in die Kunst der Grafik stellte Susanna Böhme-Netzel, Leiterin der Kunsthalle Worpswede, vor den rund 120 Vernissage-Gästen immer wieder einzelne Exponate vor und stellte sie in Kontext zu seiner Vita und der jeweiligen Schaffensperiode.

Einen ersten Schwerpunkt bilden Vogelers grafische Arbeiten, die seinen Ruf als Jugendstilkünstler begründeten. Romantische Radierungen wie der „Minnetraum“ (1894) und das „Frühlingsmärchen“ (1912) sowie die Illustrationen zu Gerhart Hauptmanns „Die versunkene Glocke“ – ebenfalls in der Ausstellung zu sehen – fanden damals große Zustimmung im In- und Ausland. Und auch seine Frau Martha, die er quasi als Märchenfee und als Minnefräulein in seine Traumwelt versetzte, schaut dem Besucher der Ausstellung in verschiedensten Posen entgegen. „Sie wurde zu seiner Muse und Modell“, schilderte Böhme-Netzel. Immer wieder tauche in seinen Arbeiten die junge Frau auf, „jugendstilig üppig dekoriert, einem Vogel nachschauend, sinnierend, oder als junge Mutter mit der gemeinsamen ersten Tochter im Arm, fast mariengleich“ wie bei seiner Radierung „Erster Sommer“, die ebenfalls zu den Exponaten gehört und eine Traumwelt der Geborgenheit suggeriert. Daneben wurde auch „sein“ Barkenhoff zum beliebten Thema seiner Arbeiten. Ursprünglich eine Bauernkate, die – vom Garten über selbst entworfene Möbel und Tapeten bis zum Geschirr nach den Prinzipien des Jugendstils von Vogeler zu einem „Gesamtkunstwerk“ umgestaltet – wurde das Haus schnell zum Treffpunkt der Worpsweder Künstlerszene.

Zu dieser Idylle der märchenhaften Illustrationen und verträumten Stimmungsbilder bilden Vogelers Kriegszeichnungen („Zusammengeschossenes Stabsquartier“) einen Kontrast, der – verbunden mit dem Wissen um seine letzten Lebensjahre – nachdenklich und sprachlos macht. Seine Kriegserlebnisse zerrissen den Vorhang der schönen Illusion und setzten seinem romantischen Künstlerleben schließlich ein trauriges Ende, wie Böhme-Netzel ausführte.

Die Ausstellung ist bis zum 20. Juli dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl