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Südheide Mit Müll Zukunft gestalten: Hermannsburger gewinnt Preis für Geschäftsidee
Celler Land Südheide Mit Müll Zukunft gestalten: Hermannsburger gewinnt Preis für Geschäftsidee
18:06 20.03.2015
Andreas Hellmann (links) will in Kenia ein Geschäft aufbauen, das Plastik- und Biomüll in dringend benötigtes Baumaterial umwandelt.   Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Hermannsburg

Hellmann will mithelfen, die Lebensverhältnisse dort zu ändern und seine Idee ist so gut, dass er die Jury eines Wettbewerbs bei der Fraunhofer Gesellschaft davon überzeugte und den ersten Platz belegte. Er bekommt 25.000 Euro Startkapital für sein Geschäft.

Sein Plan: Mit Müll die Zukunft gestalten. „Wie in vielen Entwicklungsländern, hat auch Kenia ein Riesenproblem mit Kunststoffmüll. Der Kunststoff landet durch fehlende Infrastruktur und Entwicklung buchstäblich auf der Straße”, erklärt er. Kenia sei zudem landwirtschaftlich geprägt, und es fallen große Mengen an bisher ungenutzten Agrarreststoffen an wie Maiskolben ohne Maiskörner, Stroh von Weizen, Sägespäne, Reishülsen. Beides zusammen seien ungenutzte und wertvolle Ressourcen.

Hellmann will ein sogenanntes Social Business gründen, also eines, das soziale und ökologisch-gesellschaftliche Probleme löst. „Der Kern ist dabei das Sammeln des Mülls und der Einkauf von Agrarreststoffe bei den Landwirten, die dann aufbereitet werden”, erklärt Hellmann. Beide Stoffe werden zerkleinert und vermischt, so dass sie zu WPC (Wood Plastic Composite) verarbeiten werden können. „Diese WPC-Produkte können dann als Holzersatzstoffe zu Brettern oder Balken verarbeitet werden und zeigen sogar bessere Eigenschaften gegenüber Holz auf. Sie sind zum Beispiel witterungsstabil und resistent gegenüber Termitenfraß”, sagt Hellmann.

Für diese Holzersatzprodukte gibt es in Kenia aus seiner Sicht einen großen Markt. „Kenia hat einen riesigen Bedarf an Nutzholz, ist jedoch lediglich zu drei Prozent bewaldet. Das hat zur Folge, dass das Holz aus benachbarten Ländern – und das bedeutet aus Regenwäldern – importiert wird”.

Der Hermannsburger kennt sich damit aus, denn er arbeitet als Wissenschaftler am Fraunhofer Institut. Zuvor hat er eine Ausbildung zum Kunststofftechniker bei der Deutgen Kunststofftechnik GmbH gemacht und hat dann Kunststofftechnik im Bachelor und Angewandter Werkstoffwissenschaften in Osnabrück studiert.

Mit dem WPC könnte aktiver Umweltschutz betrieben, neue Einkommensquellen für die Kenianer erschlossen und eine bessere Ressourcennutzung gewährleistet werden. „Zusätzlich entstehen viele neue Arbeitsplätze und zusammen mit dem befreundeten Waisenheim sollen auch Ausbildungsplätze entstehen”, sagt Hellmann. Die Kinder würden so in sicherer Umgebung aufwachsen und im nächsten Schritt an eine eigenverantwortliche Zukunft herangeführt.

Weil mit dem WPC am Ende ein Produkt entsteht, das verkauft werden kann, soll sich das Social Business selbst tragen können und es „stellt damit eine nachhaltige Lösung unter Einbeziehung und Übertragung von Verantwortung an die kenianische Bevölkerung dar. Denn nur so ist Entwicklungshilfe tatsächlich nachhaltig”. Hellmann sucht für die Umsetzung jetzt Partner und motivierte Mitmacher. „Ein Unternehmen in einem Entwicklungsland erfolgreich zu gründen, ist eine Herausforderung. Die Anschubfinanzierung ist ein großartiger Anfang – für die Anschaffung von Technik, den Kauf eines Grundstückes und den Bau einer Werkhalle samt Elektrizität reicht diese Summe jedoch noch nicht aus”, sagt er. Der 32-Jährige will seinen Beitrag vor Ort leisten und ist bereit, nach Kenia auszuwandern, um das Projekt vor Ort umzusetzen.

Wer sich für das Projekt interessiert kann mehr im Internet unter www.the-growing-seed.org erfahren.

Von Tore Harmening