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Südheide Neujahrskonzert in Unterlüß: Schlagkräftige Melodik begeistert
Celler Land Südheide Neujahrskonzert in Unterlüß: Schlagkräftige Melodik begeistert
07:47 08.01.2014
Während sich das Göttinger Symphonie Orchester beim diesjährigen Neujahrskonzert - im Unterlüßer Freizeitzentrum in großartiger Spiellaune zeigte, demonstrierte die umjubelten Solistin Christina Brabetz (kleines Foto) den Zauber der Geige. Quelle: Alex Sorokin / Rolf-Dieter Diehl
Unterlüß

UNTERLÜSS. In großartiger Spiellaune präsentierte sich das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) unter der Leitung von Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller im ausverkauften Unterlüßer Freizeitzentrum. Unter dem schwelgerischen Motto „Wünsche und Träume“ präsentierte das renommierte Orchester bei seinem Neujahrskonzert unvergessliche Melodien unter anderem von Fritz Kreisler, Johann Strauß und Jean Sibelius und erntete am Schluss stehende Ovationen. Umjubelte Solistin des Konzertes war die hoch talentierte 20-jährige Violinvirtuosin Christina Brabetz.

Schlagkräftige Melodik, tänzerische Lebhaftigkeit und pikante Rhythmik prägten den Verlauf des Konzertes. Der zwischen den Stücken humorvoll und hintergründig moderierende Orchesterchef nutzte in seiner unnachahmlichen charmanten Art gleich zu Beginn die Ouvertüre von Offenbachs Operette „Die schöne Helena“, um die Konturen zu straffen und den Spannungsbogen in eine Balance aus delikater Lässigkeit und knackigem Schwung zu bringen. Bei seinem temperamentvollen Dirigat setzte er auf die von innen kommende Leichtigkeit der Musik und ließ sie atmen und erblühen. Sein Orchester genoss mit ausgefeilten Details diese fesselnde Gratwanderung zwischen verzärtelndem Schwelgen und stürmischer Attacke, die immer wieder zu neuen magischen Momenten von der Art führte, die ein sehr gutes Neujahrskonzert von einem guten unterscheidet.

In diesem Gestaltungsrahmen fühlte sich Christina Brabetz spürbar wohl. Die junge kapriziöse Geigerin wusste neben der gelassenen Heiterkeit der Oberfläche immer auch die Tiefen auszuloten. Einfühlsam schmeichelnd und selbst im zartesten Pianissimo noch ungemein ausdrucksstark demonstrierte sie den Zauber der Geige und ließ die Melodien bis in ätherische Höhen aufblühen, wodurch sie etwa Camille Saint-Saëns’ kubanisch-spanisch gefärbte verführerische „Havanaise“ gefühlvoll zwischen melancholischem Andante und tänzerischer Nonchalance zu gestalten verstand. Geradezu beseelt breitete sie zwischen fein gesponnener, zart artikulierter Wehmut und atemberaubenden Bogen- und Fingertänzen auch bei der „Meditation“ aus Jules Massenets Oper „Thais“ die gesamte Palette virtuoser Kunststücke aus, die mit vier Fingern auf vier Saiten machbar sind: akrobatisch anmutende Läufe und Doppelgriffe, aufreizend über die Saiten schleifende Glissandi und Flageoletts am Rande des Hörvermögens. Im Zusammenspiel mit dem Orchester horchte die charismatische Solistin bei ihren Auftritten immer wieder ins große Ganze hinein, nahm Tempo auf, nahm sich zurück. Dabei konnte sich – dank des nie in den Vordergrund drängenden Orchesters – die Schönheit des ihr eigenen Klangs voll entfalten und wurde so zum ausdrucksintensiven Träger tiefer Emotionalität.

Von Rolf-Dieter Diehl