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Südheide Pferde dürfen draußen bleiben
Celler Land Südheide Pferde dürfen draußen bleiben
17:30 19.12.2011
Jutta Weiflberg und ihr "Draupnir". Quelle: nicht zugewiesen
Hermannsburg

Der Anblick von Pferden bei winterlichem Wetter auf einer Weide löst bei vielen Menschen Mitleid aus. Der Begriff „Tierquälerei“ fällt dann schnell.

„Falsch“, sagt Jutta Weißberg, „die Tiere leiden keineswegs unter den Wetterunbilden, die typisch für den Winter sind“. Sie weiß das, denn sie ist eine erfahrene Züchterin. Darüber hinaus ist ihr bewusst, dass Vorurteile meist auf mangelndem Wissen beruhen. Genau deshalb erläutert sie einige Fakten in Sachen Pferdehaltung. Lebendes Anschauungsobjekt ist dabei ihr Hengst „Draupnir“, ein elfjähriges Islandpferd aus eigener Zucht. Er steht allein auf einer weitläufigen Weide an der Hermannsburger Turnerstraße. „Aber so allein ist er gar nicht“, erläutert seine Besitzerin, „weil nebenan von Zeit zu Zeit Schafe weiden und letztlich sieht er viele Passanten. Für Abwechslung ist also gesorgt“. Die Gemeinschaftshaltung ist nicht ohne Probleme, denn als Hengst sieht er in anderen Geschlechtsgenossen Rivalen, die er ausschalten will. Dann bleibt er lieber solo, zumindest bis zum Frühjahr, dann bekommt er Gesellschaft von Stuten.

Weder Regen noch Schnee bereiten den Islandpferden größere Probleme. In Jahrtausenden hat sich praktischerweise ihr Zwei-Phasen-Fell entwickelt. Das kurze, glatte Sommerfell fällt im Herbst nicht ganz aus, vielmehr schiebt sich zwischen die stehengebliebenen Haare eine weiche, flauschige Unterwolle. Darüber legt sich dann das längere Winterfell. „Eine geniale Erfindung der Natur“, sagt Jutta Weißberg. Bei Regen und Schnee bildet das Oberfell einzelne Büschel wie etwa die Schuppen eines Tannenzapfens. An denen läuft das Wasser ab und erreicht nicht die Haut. Der Körper bleibt so trocken und warm. Ganz ähnlich ist es bei anderen Pferderassen.

Dieser Einschätzung pflichtet Eckehard Meyer aus Misselhorn bei. Er war mehrfacher Deutscher Meister sowie Vize-Weltmeister und als Trainer sogar Weltmeister. Nun wirkt Meyer als Nationaltrainer. „Meine Pferde stehen auch bei jedem Wetter draußen“, sagt er und berichtet, dass sie sich selbst bei Regen zum Schlafen hinlegen. Einen vorhandenen Unterstand nutzen sie nur ungern. Den Grund für diese Haltung erläutert Jutta Weißberg: „Pferde sind Fluchttiere, die immer den Überblick behalten wollen.“

Die Züchterin appelliert an Passanten, Tiere auf der Weide nicht zu füttern und nichts über den Zaun zu werfen. Die Pferde würden von verantwortungsvollen Besitzern mit allem versorgt, was notwendig ist. Gut gemeinte, aber überflüssige Nahrung in Gestalt von Äpfeln oder Brot verursachten meist Bauschmerzen und Koliken. „Wahre Tierfreunde wissen das und richten sich danach“, so die Züchterin.

Von Udo Genth